Lorch-Entlassung
Sonderprüfer belastet Merckle-Erben

Mit seiner Stiftung World in Balance ist Philipp Daniel Merckle vor allem als Gutmensch unterwegs. In Interviews betont er gern, dass er in seinen eigenen Unternehmen hohe ethische Ansprüche vorleben will. Jetzt zeigt eine Untersuchung: Der Familienerbe spielt seine Macht rücksichtslos aus.
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HAMBURG. Er wollte so viel besser sein als sein Vater, so viel integrer. Philipp Daniel Merckle hat öffentlich abgerechnet mit der Unternehmerlegende Adolf Merckle. Der innere Kompass sei ihm abhandengekommen, rief Merckle seinem Vater hinterher, nachdem der sich im Januar das Leben genommen hatte. Der Sohn werde jetzt seinen eigenen Weg gehen. Glaubhaft. Ehrlich. Ein neuer Typ des Unternehmers.

Und jetzt das. Ein von der Hauptversammlung eingesetzter Sonderprüfer der Gruschwitz Textilwerke AG legt einen Bericht vor, der den Mehrheitsaktionär Philipp Daniel Merckle als Hochsicherheitsrisiko für das Unternehmen bloßstellt. „Abenteuerliche Vorstellungen“ und „absurde“ Personalentscheidungen macht der Rechtsanwalt Klaus Steiner nach monatelanger Recherche aus. Merckle habe völlig unbegründet die wichtigste Führungsperson gefeuert. Merckle habe als Finanzvorstand einen Mann ohne betriebswirtschaftliche Ausbildung eingestellt. Und Merckle habe durch seine Eskapaden ein Unternehmen mit 150 Mitarbeitern unter Umständen in seiner Existenz bedroht. Merckle wollte sich gegenüber dem Handelsblatt zu den Vorwürfen nicht konkret äußern.

Es ist nicht das erste Mal, dass sein Führungsstil auffällt. 2005 übergibt ihm sein Vater die Leitung des familiären Machtzentrums Ratiopharm. Bald setzt bei dem Arzneimittelhersteller ein Exodus von Führungskräften ein. Doch Ratiopharm ist wegen verdächtiger Zahlungen an Ärzte und Apotheker im Gerede - und Merckle geht in die Integritätsoffensive. Er habe aufräumen müssen in dem systembedingten Sumpf, sagt er. 2008 nimmt ihm sein Vater die Führung wieder weg. Seitdem ist Philipp Daniel Merckle als Gutmensch unterwegs. Mit seiner Stiftung „World in Balance“ setzt er sich für allerlei Zwecke ein - für die Förderung von Toleranz bis zum Tierschutz. Zusätzlich ist er an zwei Firmen beteiligt, dem Glashersteller Villiglas und Gruschwitz im bayerischen Leutkirch. Hier will er eine ethisch einwandfreie Unternehmensführung vorleben.

Doch Anspruch und Wirklichkeit sind bei den Merckles ein ungleiches Paar. Adolf Merckle galt als Bodenständigkeit in Person, bevor er sein Firmenimperium verzockte. Und sein Sohn? Man frage Marc Lorch.

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