Lotus-Chef Dany Bahar
Das ausgebremste „Wirtschaftswunderkind“

In fünf Jahren wollte Lotus-Chef Dany Bahar den britischen Sportwagenbauer zurück in die Königsklasse führen. Nun stehen die Pläne des "Wirtschaftswunderkindes" vor dem Aus. Lotus hat den eigenen Chef suspendiert.
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DüsseldorfEs war einer dieser Auftritte, die der altehrwürdigen, britischen Automarke Lotus neuen Glanz verleihen sollen. Mit einem neuen Merchandising-Store in Monaco, der Hauptstadt der Reichen und Schönen, wollte der ehemalige Lieferant von James Bond sein Nobelimage aufpolieren. Die Prominenz kam zu Eröffnung, doch die Hauptperson fehlte: Lotus-Chef Dany Bahar. Kurzfristig hatte er abgesagt. Nun wurde bekannt warum: Lotus hat den eigenen Chef suspendiert. Die Ära Dany Bahar bei Lotus scheint beendet. Es wäre der erste Rückschlag in der Karriere des 38-jährigen Schweizers.

Denn bisher kannte Bahar nur eine Richtung: aufwärts. Der Sohn einer Türkin und eines Slowenen lernte schnell, seine Ziele mit aller Konsequenz zu verfolgen. Nach einer Station bei einem Vermögensverwalter in Liechtenstein wurde Bahar die rechte Hand von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, stieg danach zum zweitstärksten Mann bei Ferrari auf - und übernahm mit 36 Jahren schließlich die Führung bei Lotus. Die Zeit taufte ihn zum "Wirtschaftswunderkind". Lotus sollte die Krönung werden. „Ich sehe Lotus als meinen letzten großen Schritt. Wenn ich es bei Lotus schaffe, und ich beweise, dass ich Erfolg mit der Marke haben kann, dann wird das sicher meine letzte Station sein", sagt er in einem Interview mit dem österreichischen Tagesanzeiger.

Das scheint nun unwahrscheinlich. „Die Lotus-Gruppe bestätigt“, hieß es in offiziellen Mitteilung des Mutterkonzerns Proton, „dass Geschäftsführer Dany Bahar nach einer Betriebsprüfung vorübergehend von seiner Funktion suspendiert wurde, da eine Untersuchung wegen einer Beschwerde über sein Verhalten durchgeführt wird.“ So technokratisch klingt das Ende eines Traums.

Die "Beschwerde" kommt von DRB-Hicom, jenem malaysischen Autokonzern der vor wenigen Monaten die Lotus-Mutter Proton übernommen hatte und hinter den Kulissen oft durchblicken ließ, wie wenig man von Bahars Visionen hielt. Sogar über einen Verkauf von Lotus wurde spekuliert. Zu den Gründen für die Suspendierung will sich der Konzern nicht äußern bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Britische Zeitungen berichten über Unregelmäßigkeiten bei der Anmietung von zwei Anwesen Bahars auf Kosten von Lotus.

Andere vermuten, dass der asiatische Autokonzern mit der Suspendierung eine teure Abfindung für den Lotus-Chef vermeiden will. Bahars lukrativer Vertrag ist noch bis 2015 gültig. Mindestens 14 Tage sollen die Untersuchungen andauern. Ein Comeback von Bahar scheint unwahrscheinlich. Bei Lotus übernehmen vorerst die malaysischen Statthalter Dato' Lukman Ibrahim, Mohd Khalid Yusof und Aslam Farikullah das Steuer.

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