Louis Gallois neuer Chef
Ex-Airbus-Chef Streiff rechnet mit EADS ab

Nach 100 Tagen im Amt wirft Airbus-Chef Christian Streiff die Brocken hin und rechnet in einem Interview mit dem Mutterkonzern ab. Der Mutterkonzern EADS nutzt den personellen Wechsel von Streiff zum Franzosen Louis Gallois, um den krisengeschüttelten Flugzeugbauer enger an die Kandare zu nehmen.

HB PARIS. Der EADS-Co-Chef Louis Gallois übernimmt auch die Verantwortung für Airbus und nimmt den Flugzeugbauer eng an die Kandare. Genau mit dieser „Doppelhut“-Lösung war der langjährige Airbus-Chef Noël Forgeard noch vor einem Jahr gescheitert, als er in die EADS-Spitze aufrückte. Jetzt akzeptiert der deutsche EADS-Hauptaktionär Daimler-Chrysler, was er seinem „Intimfeind“ Forgeard verweigerte.

Aus guten Gründen: Anders als der machtbewusste „Vater des A380“ Forgeard sei Gallois ein Mann der einvernehmlichen Lösungen, heißt es in Konzernkreisen. Sein Verhältnis zum Daimler-Mann in der EADS- Spitze, Thomas Enders, gilt als sehr gut. Gallois war früher Chef des EADS-Vorläufers Aérospatiale und ist vom Fach. Und er weiß, dass ohne oder gar gegen die Deutschen bei Airbus nichts gehen kann.

Der bisherige Airbus-Chef Christian Streiff hat hoch gepokert und verloren. In nur drei Monaten hatte Streiff Airbus von oben bis unten durchleuchtet und alte und neue Mängel schonungslos offen gelegt. Für sein Vier-Jahres-Sanierungsprogramm „Power8“ bekam der „Wanderer zwischen deutscher und französischer Kultur“ noch volle Rückendeckung von den Aktionären. Doch als es ans Eingemachte des deutsch- französischen Aktionärspaktes ging, stieß Streiff bei Daimler-Chrysler und dem französischen Partner Lagardère auf Granit.

Direkt nach seinem Rücktritt hat Streiff den Mutterkonzern EADS heftig attackiert. Die Führungsstruktur von EADS habe seine Sanierungspläne zum Scheitern verurteilt, begründete der Franzose in der Pariser Tageszeitung „Le Figaro“ (Dienstagausgabe) seinen Rückzug nach nur 100 Tagen auf dem Chefsessel von Airbus. „Airbus sollte sich selbst steuern und nicht von EADS geführt werden“, sagte er. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter seien der Hauptgrund für die Probleme bei dem Flugzeugbauer. Es sei wichtiger, Airbus zu einem integrierten europäischen Unternehmen zu machen als es mit EADS zusammenzuführen.

Die neue Personalunion des Airbus-Chefs mit der EADS-Co-Präsidentschaft sei ein „Schritt in die richtige Richtung“. Doch „wenn mein Nachfolger (Louis Gallois) keine Ellenbogenfreiheit besitzt, ja dann ist die Zukunft des Unternehmens Besorgnis erregend“, sagte Streiff.

Offenbar war das Hamburger Airbus-Werk der Auslöser für das Zerwürfnis zwischen Streiff und EADS. „Das Werk Hamburg ist das schwächste Glied in der A380-Produktion“, sagte Streiff der Zeitung. EADS-Co-Chef Tom Enders war in der vergangenen Woche Befürchtungen entgegen getreten, in Hamburg könnte es im Zuge der Airbus-Umstrukturierung zu einem größeren Stellenabbau kommen. Enders sagte, der Konzern werde an dem Standort festhalten.

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