Low-Cost-Segment
Michelin setzt auch auf Billigreifen

Frankreichs Reifenriese will sich vom wachsenden unteren Preissegment eine Scheibe abschneiden. Vor allem in Schwellenländern ist die Nachfrage groß. Doch das Unternehmen will die Erwägungen auf keinen Fall als Abkehr der Hauptmarke Michelin verstanden wissen.
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PARIS. Der französische Reifenhersteller Michelin erwägt, sich stärker dem Segment Low-Cost-Reifen zuzuwenden, um mehr vom Wachstum in aufstrebenden Volkswirtschaften zu profitieren. „Dieses Segment schauen wir uns ernsthaft an“, sagte Michelin-Chef Michel Rollier im Gespräch mit der deutschen Presse. Zum Ausbau „ist indes eine Verstärkung unserer industriellen Basis nötig“, so Rollier; so müssten die auf günstigere Reifen spezialisierten Werke in den USA und in Osteuropa zuvor ausgebaut werden. „Das prüfen wir derzeit.“

Rollier will die Erwägungen auf keinen Fall als Abkehr der Hauptmarke Michelin verstanden wissen. Michelin solle weiterhin für qualitative und damit teure Reifen stehen, wie etwa der Energie-Sparreifen „Energy Saver“. Ein Ausbau des Low-Cost-Segments würde über lokale Marken erfolgen. In China zum Beispiel verkaufen die Franzosen bereits Reifen der Marke „Warrior“, die billiger als die Michelin-Pneus seien. In Europa deckt der Konzern das untere Preissegment mit der Marke „Kléber“ ab.

Die Reifenhersteller haben die Krise hinter sich gelassen; Marktführer Bridgestone und Rivale Michelin wiesen im ersten Halbjahr wieder dreistellige Millionengewinne aus. Auch für den Rest des Jahres zeigt sich die Branche optimistisch, auch wenn der Neuwagenverkauf leidet. Der Großteil des Geschäftes machen Michelin & Co. aber mit der Neubereifung bereits zugelassener Autos. In diesem Jahr wollen die Franzosen den Absatz um über zehn Prozent steigern und eine Marge von neun Prozent erzielen. „Die Absätze von Juli und August bestätigen uns in unserer Prognose“ erklärte Rollier gestern.

Die Hauptmarke Michelin würde von den neuen, strengeren Umweltregeln profitieren. So schreibt die EU vor, dass ab 2012 die Neuwagen-Flotten der Hersteller im Schnitt nicht mehr als 120 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen dürfen, sonst drohen Strafen. „Wir waren noch niemals an so vielen Vorentwicklungen der Autohersteller beteiligt wie jetzt“, freut sich Didier Miraton, Entwicklungsvorstand von Michelin. Selbst US-Autofahrer würden auf spritsparende Reifen abfahren: „In der Krise sind wir zum Marktführer in den USA geworden“, so Rollier.

Kostenkontrolle bleibe Top-Priorität; mit Einsparungen von Energie und Rohstoffen will Michelin-Chef Rollier die Produktivität der Michelin-Werke in den kommenden fünf Jahren um zweistellige Prozentzahlen steigern. Ein beschleunigter Personalabbau sei dabei nicht geplant.

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