
Berlin/FrankfurtDie Bundesregierung hatte lange nach einem privaten Investor gesucht - letztlich ohne Erfolg. Nun will der deutsche Staat über die Frankfurter Staatsbank KfW von Daimler die Hälfte von dessen Anteilen am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS übernehmen. Daimler hält 15 Prozent der Aktien und 22,5 Prozent der Stimmrechte an dem Airbus-Mutterkonzern und strebt seit längerem einen Verkauf von Anteilen an, weil das Engagement nicht mehr zur Strategie des Autobauers passt.
EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.
Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.
Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.
Weitere 5,5 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.
Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.
Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.
Der Einstieg könnte nach Angaben aus dem Bundeswirtschaftsministerium zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden Euro kosten - für Daimler kein schlechtes Geschäft. Aus rechtlichen Gründen wird der Deal voraussichtlich erst nach dem 30. Juni 2012 vollzogen werden. Der genaue Kaufpreis sei noch nicht verhandelt worden. Die KfW solle nicht dauerhaft Aktionärin bleiben. Die Bundesregierung will mit diesem Modell die deutsch-französische Machtbalance beim Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS und die Interessen der deutschen Standorte mit zehntausenden Beschäftigten sichern.
Damit ist das Tauziehen um die Zukunft des Konzerns vorerst beendet. Die FDP habe ihren Widerstand gegen einen direkten Staatseinstieg aufgegeben, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Politiker und Banker am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Grund sei, dass sich kein privater Investor gefunden habe, der den vom Autobauer Daimler zum Verkauf gestellten EADS-Anteil übernehmen wolle. Am Mittwoch büßten die EADS-Aktien knapp fünf Prozent ein.
Auch ein alternativ geprüfter Einstieg des Staatsfonds des Emirats Katar ist damit zunächst vom Tisch. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte sich wiederholt gegen einen Einstieg des Staates ausgesprochen, aber mit dem Staatsfonds des arabischen Wüstenstaats über eine Beteiligung an EADS verhandelt. EADS ist wegen der Verteidigungssparte und des Flugzeugbaus ein hochpolitisches Unternehmen. Eine direkte Beteiligung Katars mit Stimmrecht ist aber wohl weder für Berlin noch Paris tragbar. In Regierungskreisen wurde betont, der Einstieg eines ausländischen Staatsfonds sei "industriepolitisch schwer vermittelbar".
...."Grund sei, dass sich kein privater Investor gefunden habe,"... ==> dann war es wohl für einen privaten, deutschen Investor wirtschaftlich nicht interessant genug?
Vielleicht, viel Wirtschaftserfahrung wird da ja nicht gebraucht, oder? Kontakte aber! Muss ja nach 2013 noch a bisl "arbeiten".
Als Arzt wird er ja auch nicht mehr arbeiten können, da braucht es Vertrauen ...
Herr Rösler muß auch an seine nahe Zukunft denken - vielleicht mit einem Beratervertrag mit Daimler.
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