Luft- und Raumfahrtkonzern
EADS investiert Milliarden in eigene Aktien

Für einige Milliarden Euro will EADS eigene Aktien kaufen. Für den Ausstieg des Anteilseigners Lagardère dürfte das eine gute Nachricht sein. Neuigkeiten gibt es auch bei den Umzugsplänen des Luft- und Raumfahrtgiganten.
  • 6

Paris/Amsterdam/München/ToulouseDer Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat einen milliardenschweren Aktienrückkauf beschlossen. In den nächsten 18 Monaten will der Boeing -Konkurrent eigene Anteilsscheine für bis zu 3,75 Milliarden Euro erwerben, wie die Airbus-Mutter am Dienstag nach einer Sitzung des Verwaltungsrats mitteilte. Damit dürfte der Ausstieg des französischen EADS-Anteilseigners Lagardere erleichtert werden.

"Mit dem Aktienrückkaufprogramm werden Finanzmittel von EADS sinnvoll im Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre eingesetzt, ohne dabei unsere strategische Flexibilität oder unsere solide Bilanz zu beeinträchtigen", sagte EADS-Chef Tom Enders. Die zurückgekauften Aktien sollen eingezogen werden, was sich positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken dürfte. EADS werde höchstens 50 Euro je Aktie zahlen. Am Dienstag ging die Aktie 3,6 Prozent höher bei 41,115 Euro aus dem Handel.

Zudem wählte der vergangene Woche von den Eignern bestellte Verwaltungsrat den Ex-Chef des französischen Rüstungskonzerns Thales, Denis Ranque, zu seinem Vorsitzenden. Er folgt auf Arnaud Lagardere, dessen Konzern sich künftig auf das Kerngeschäft konzentrieren will. Zugleich wurde EADS-Chef Tom Enders in seinem Amt bestätigt.

Zuvor wurde außerdem bekannt, dass die Umzugspläne des Konzerns in trockenen Tüchern sind. Zum 1. April sei die neue Struktur der Unternehmenszentrale in Kraft getreten, teilte das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mit. Der operative Hauptsitz des Unternehmens wird in Toulouse eingerichtet.

Mit den Arbeitnehmervertretern hat sich das Unternehmen dafür auf die Verlagerung von 75 Stellen aus München und weiteren 116 Stellen aus Paris nach Toulouse geeinigt. „Diese Vereinbarung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur weiteren Integration von EADS“, erklärte Konzernchef Tom Enders.

Vor seinem Wechsel an die EADS-Spitze im vergangenen Jahr hatte Enders die Flugzeugtochter Airbus mit Sitz in Toulouse geführt. In Branchenkreisen war der Umzug der Konzernzentrale als Schritt gewertet worden, dem Gewicht von Airbus im Konzern entsprechend Rechnung zu tragen.

Widerstand kam bei Bekanntwerden der Pläne vor gut einem Jahr aus der deutschen Politik: Vor allem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wetterte dagegen und drohte sogar damit, die Übernahme eines EADS-Anteils durch den Bund zu verhindern, falls sie nicht wieder in den Schubladen verschwinden.

Zum 1. September soll die neue EADS-Zentrale in Toulouse voll einsatzbereit sein, hieß es in der Mitteilung. Künftig sollen dort dauerhaft mehr als 500 Stellen beheimatet sein, einschließlich der integrierten Bereiche Personalwesen und Finanzen von EADS und Airbus sowie weiterer Funktionen.

In München verbleiben mehr als 300 Stellen und in Paris rund 250 Stellen. „Ich möchte mich bei den Betriebsräten in Deutschland und Frankreich für die konstruktiven und vertrauensvollen Verhandlungen der letzten Monate bedanken“, erklärte Enders.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Luft- und Raumfahrtkonzern: EADS investiert Milliarden in eigene Aktien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Enders gehört zu den Managertypen die für Geld einfach alles machen und die zum eigenen Land keinerlei Bezug mehr haben. Es ist doch interessant das ein Konzern bei dem Deutschland/Frankreich die gleichen Anteile haben, alles IMMER nur von den Franzosen bestimmt wird. Jetzt haben Sie es geschafft Enders dazu zu bewegen ALLE Verantwortungen komplett nach Frankreich zu verlagern, so das für Kunden EADS/Airbus nur noch als französisches Unternehmen wahrgenommen wird und Deutschland nur noch zu einer von vielen Produktionsstätten verkommt. Wenn man einem Konzern der mehrere Anteilseigner hat gerecht hätte werden wollen, dann würden die Produktionsstätten aufgeteilt aber das Headquarter an einen neutralen Ort stehen damit der Verdacht der einseitigkeit nicht auftaucht. Aber so hat ein deutscher Manager dafür gesorgt das Deutschland bei EADS/Airbus keine Rolle mehr spielen wird, Aufsichtsrat ist eh immer Französisch und wenn Enders geht komtm wieder ein Franzose und dann wars das... Enders sollte dann gleich in Frankreich bleiben, bevor er hier den nächsten Deuscthen Konzern verlagert... im Gegensatz zu solchen Managern haben die Franzosen eben noch ein Nationales Bewußtsein... ich wette der A350WB wird wieder in Toulouse zusammengebaut und ausgeliefert und Deutschland behält nur den A320 der dann vom Vilumen deutlich absinken wird da man parallel in den USA eine Produktion aufbaut... alles gegen Deutschland aber unsere Anteilseigner machen da ohne Kritik mit...

  • ... da kann mal sehen, wie weltfemd sie sind. Fragen Sie mal einen französischen Manager, was ihm Patriotismus bedeutet und wie selbiger ihn bei seinen Entscheidungen leitet.

  • Kleinbürgerliches Gedankengut mit einem starken Geschmack von Nationalismus. Zum Glück nur noch selten im Management von internationalen Konzernen anzutreffen. Bei EADS von Tom Enders eliminiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%