Luft- und Raumfahrtkonzern
EADS will US-Rüstungsgeschäft vervierfachen

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will sein US-Geschäft in den kommenden Jahren massiv ausbauen. Ohne die Umsätze der Flugzeugtochter Airbus soll der Umsatz von bisher einer Milliarde Dollar in diesem Jahr auf vier Milliarden Dollar im Jahr 2010 wachsen.

WASHINGTON. „Bislang kannte man uns nur mit Airbus und Eurocopter, jetzt wird man uns auch im Rüstungsgeschäft wahrnehmen“, sagte Ralph Crosby, Chef von EADS Nordamerika. Ohne die Umsätze der Flugzeugtochter Airbus soll der Umsatz des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS von bisher einer Milliarde Dollar in diesem Jahr auf vier Milliarden Dollar im Jahr 2010 wachsen.

Schlüssel zum Erfolg ist das Beschaffungsbudget des US-Verteidigungsministeriums, das mit 80 Mrd. Dollar pro Jahr mit Abstand das größte der Welt ist. Um mit den US-Militärs ins Geschäft zu kommen, hat EADS 2005 eine Rüstungstochter in den USA gegründet, die unter strengen Auflagen der US-Administration operiert. Im Sommer erhielten die Europäer den Auftrag, 322 Mehrzweckhubschrauber für die US-Armee zu liefern, und sind mit dem drei Mrd. Dollar schweren Auftrag zum ersten Mal Hauptauftragnehmer für das Pentagon. Gefertigt werden die Hubschrauber in einem neu errichteten Werk der Konzerntochter Eurocopter im Bundestaat Mississippi.

„Wir haben Signale, dass wir weitere Maschinen an die US-Streitkräfte liefern können“, sagte EADS-Co-Chef Tom Enders bei der Übergabe des ersten Hubschraubers an die US-Armee. Die Streitkräfte stellten hohe Ansprüche, wenn die Europäer zum Zuge kommen wollten: „Wir müssen mit unseren Produkten deutlich besser sein als die Konkurrenz“, betonte Enders mit Blick auf weitere Großprojekte, um die sich der Konzern derzeit bemüht.

Als weltweit zweitgrößter Luftfahrtkonzern ist das Geschäft mit dem US-Militär für EADS von strategischer Bedeutung. Die Amerikaner kaufen Hubschrauber und Flugzeuge in Stückzahlen, die selbst kombinierte Bestellungen europäischer Regierungen nicht erreichen. Diese Stückzahlen verschaffen Wettbewerbsvorteile. Konkurrent Boeing macht mehr als die Hälfte seines Umsatzes im militärischen Bereich und kann somit das zyklische Geschäft mit Passagierflugzeugen besser ausbalancieren. EADS hingegen macht immer noch zwei Drittel der Umsätze im zivilen Airbus-Geschäft.

Das könnte sich ändern, wenn EADS Nordamerika im kommenden Jahr zwei Großprojekte gewinnt. Zum einen sind die Europäer mit dem amerikanischen Partner Raytheon im Rennen für ein leichtes Transportflugzeug im Wert von 1,3 Mrd. Dollar, um das auch die italienische Alenia mitbietet. Die Entscheidung für den Auftrag soll im Frühjahr fallen. Das Beschaffungsprogramm für das Flugzeug könnte auf ein Volumen von drei Mrd. Dollar anwachsen.

In der mit Abstand größten Ausschreibung in den kommenden Jahren tritt EADS gegen den Erzrivalen Boeing an. Die Europäer bieten gemeinsam mit Northrop Grumman um den Zuschlag für 179 Luftbetankungsflugzeuge. Insgesamt will die Air Force in den kommenden 25 Jahren 400 neue Tanker bestellen. Allein der Umsatz der ersten Tranche würde EADS einen Auftragsanteil von zehn bis 15 Mrd. Dollar sichern. „Das ist das potenziell größte Rüstungsprogramm aller Zeiten“, sagte Charles Coolidge. Der ehemalige General der US Air Force ist Projektleiter für das EADS-Tankergeschäft in Nordamerika.

Boeing hatte den Auftrag eigentlich schon sicher. Doch nach einem Korruptionsskandal wurde der Auftrag Ende 2003 neu ausgeschrieben. Boeing will das Passagierflugzeug 767 zu einer Tankerversion umrüsten, EADS und Northrop planen mit der jüngeren und größeren A330. Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren, im Oktober 2007 soll die Entscheidung fallen.

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