Luft- und Raumfahrtkonzern: Warum der Staat bei EADS einspringen muss

Luft- und Raumfahrtkonzern
Warum der Staat bei EADS einspringen muss

Die Kanzlerin muss sich dazu durchringen, beim Airbus-Mutterkonzern einzusteigen, um auf Augenhöhe mit Frankreich zu bleiben. Ein Kommentar von Markus Fasse.
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Wenn EADS-Chef Louis Gallois heute Eindruck machen will, dann muss er nur eine Zahl nennen: 389 Milliarden Euro. So hoch ist ungefähr das Sozialprodukt der Niederlande, dort hat der Luft- und Raumfahrtkonzern seine Postadresse. So groß ist aber auch das Auftragsbuch der EADS. Theoretisch könnte das Unternehmen fast zehn Jahre lang Flugzeuge, Hubschrauber und Raketen bauen, ohne einen neuen Kunden gewinnen zu müssen. Sonnige Aussichten, die Gallois heute der Öffentlichkeit vorstellen wird.

Angela Merkel kennt diese Zahlen. Ihre Berater werden ihr in den vergangenen Wochen noch mehr Details zu Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern geschildert haben: über die Produktionsstruktur bei Airbus, die Hubschrauber von Eurocopter und die Rüstungsprojekte in Saudi-Arabien. Es steht viel auf dem Spiel: Die Physikerin Merkel muss entscheiden, ob Deutschland bis zu einem Viertel des Konzerns übernehmen wird. Eine Wahl hat sie dabei nicht, sie muss zugreifen.

Eine Dekade nach seiner Gründung steht nicht nur der Airbus-Mutterkonzern vor einer Zeitenwende. Mit dem angekündigten Ausstieg des Autoherstellers Daimler droht EADS endgültig zu einem europäischen Staatskonzern zu werden. Berlin wäre nach Paris und Madrid die dritte europäische Regierung, das sich direkt an dem Airbus-Mutterkonzern beteiligen würde. Das ist eine mehr als bedenkliche Entwicklung.

Weniger Staat und mehr Effizienz hieß das Versprechen bei Gründung der EADS im Jahr 2000. Beide Versprechen haben sich bis heute nicht erfüllt. So ist die Hoffnung nach Staatsferne bis heute mehr Wunsch als Wirklichkeit. Frankreich und Spanien, die eigentlich nur vorübergehend im sogenannten „Aktionärspakt“ vertreten sein sollten, sind mehr bestimmende Aktionäre denn stille Teilhaber. Auch finanziell hängt EADS am Tropf der Regierungen. Jedes neue milliardenschwere Airbus-Programm darf sich auf üppige Staatshilfen verlassen. Allein das neue Langstreckenflugzeug A350 wird mit rund drei Milliarden Euro Anschubhilfe aus Paris, Madrid und Berlin gestützt. Dennoch weiß niemand, ob mit dem Flugzeug jemals Geld verdienen wird. Die letzten Großprojekte des Konzerns, der Riesenairbus A380 und die A400M, endeten mit hohen Verlusten.

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  • EADS wurde der deutschen Luftfahr- und Ruestungsindustrie durch die Wiedervereinigung aufgezwungen. Der automatische Transfer von Technologie in franzoesische Staatsunternehmen war, wie auch der Euro, eine Auflage der deutschen Wiedervereinigung.
    Frankreich hofft nur auf den Ausstieg der Deutschen. Kein anderes Industrieland ist so von seiner Regierung belogen und betrogen worden wie Deutschland.
    Die Geschichte wird sich immer raechen.

  • Eine leider in sich unschlüssige Meinung.
    Wieso der Staat bei EADS, anders als bei der Commerzbank, durchaus reale Werte mit der Aussicht auf Dividenden einkaufen sollte, fragt sich schon ob der im Artikel selbst angesprochenen Milliardenverluste bei den Projekten A380 und A400. Das ist Standard bei EADS und in Ansehung der politischen Einflussnahme vor allem der Franzosen kann die Antwort auf die Frage eigentlich nur lauten: Finger weg!

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