Luft- und Raumfahrtkonzern will Telekomsparte stärken
EADS liebäugelt mit Nokias Funktechnik

Die Kommunikationstochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS übernimmt voraussichtlich den Geschäftsbereich des finnischen Nokia-Konzerns, der Technik für digitale Funknetze für Behörden, Polizei und Rettungskräfte liefert. Die Sparte mit einem Jahresumsatz von 100 Mill. Euro werde für etwa 90 Mill. Euro verkauft, sagte eine Nokia-Sprecherin gestern.

slo DÜSSELDORF. Man befinde sich in fortgeschrittenen Gesprächen. Das Geschäft soll Ende des Jahres abgeschlossen werden, wenn die Kartellbehörden dem Deal zustimmen. EADS Telecom bietet bereits digitale Funktechnik für Polizei und Behörden an, die auf dem so genannten Tetrapol-System basiert. Die Nokia-Technik arbeitet dagegen mit dem Tetra-Standard. Beide Funksysteme sind speziell für die Anforderungen von Behörden entwickelt worden. Tetra ist zudem ein offener europäischer Standard mit offiziellem Stempel der Normungsbehörde ETSI. EADS hatte sich ebenfalls darum bemüht – bisher vergeblich.

Mit der Übernahme des Tetra-Geschäfts von Nokia ist EADS wieder im Rennen, wenn es um die geplante Auftragsvergabe zum Aufbau eines voraussichtlich etwa drei Milliarden Euro teuren digitalen Polizeifunknetzes in Deutschland geht. Nach Einschätzung von Branchenkennern zog Bundesinnenminister Otto Schily bisher die Tetra-Technik vor, weil es in diesem Marktsegment mit Motorola, Marconi oder Rohde & Schwarz mehrere konkurrierende Anbieter gibt. Dadurch können die Bundesländer, die die eine Hälfte des Polizeifunknetzes aufbauen müssen ihren Lieferanten selbst wählen und müssen nicht den Technikhersteller nehmen, den der Bund für die andere Hälfte des Netzes bestimmt. Bei Tetrapol gibt es diese Auswahl dagegen nicht, die Technik wird lediglich von EADS angeboten.

Tetra-Systeme sind bereits in den Niederlanden, in Belgien und Großbritannien im Einsatz. In Frankreich, Tschechien, Rumänien und Spanien dagegen funkt die Polizei mit Tetrapol.

EADS will beide Systeme künftig zu einer Lösung kombinieren. Nach Einschätzung des Konzerns wird dieser Markt in fünf Jahren ein Volumen von etwa zehn Mrd. Euro erreichen. Analysten halten die Übernahme des Tetra-Geschäfts von Nokia daher für einen sinnvollen Schritt, allerdings sei dies für EADS eine „sehr kleine Akquisition“, sagte Warburg-Analyst Nils Machemehl.

Für Nokia ist die Behördenfunksparte eher ein Randbereich, die Synergien mit dem Hauptumsatzbringer Mobiltelefone sind begrenzt. Die Sparte beschäftigt etwa 325 Menschen. Der Nokia-Aktienkurs reagierte kaum und blieb im Tagesverlauf etwa bei 11,80. EADS legten zwischenzeitlich ein Prozent auf 23,23 Euro zu.

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