Luftfahrt
A400M bleibt für EADS böse Wundertüte

Der Militärtransporter A400M ist für den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS weiter ein großes Risiko - das sich in der Bilanz niederschlagen könnte. Aber auch ohne A400M muss EADS mit schwächeren Zahlen leben. Der operative Gewinn ist im ersten Halbjahr abgesackt - und trotzdem sorgte EADS an den Börsen für eine kleine Überraschung.

HB AMSTERDAM/MÜNCHEN. Der mit zahlreichen Pannen kämpfende Militärtransporter A400M entwickelt sich für den Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zunehmend zum Risiko. Das Unternehmen räumte am Dienstag ein, sich über die finanziellen Folgen der dauernden Verspätungen bei dem Prestigeprojekt noch nicht im Klaren zu sein. Weitere deutliche Belastungen seien aber möglich. Seit Anfang vergangenen Jahres hat der A400M das Ergebnis von EADS bereits mit fast 900 Mio. Euro belastet. Die beteiligten NATO-Staaten hatten dem Flieger vergangene Woche zwar eine Gnadenfrist bis Ende des Jahres gewährt. Wie es genau weitergeht, wird sich allerdings erst in den nächsten Monaten entscheiden.

„Das volle Ausmaß der finanziellen Konsequenzen der Verzögerungen wird erst nach Abschluss der Verhandlungen feststehen“, teilte das Unternehmen am Dienstag in Amsterdam mit. Alle Beteiligten hätten nun Zeit, einen realistischen Zeitplan für den A400M zu entwerfen. Auch künftig könne das Programm aber wesentliche Ergebnisbelastungen verursachen. Zuletzt kämpften die beteiligten Unternehmen vor allem mit Problemen an den Triebwerken und der Steuerungssoftware. Harte Verhandlungen

Der Flieger hat schon mehr als drei Jahre Verspätung und ist bislang nicht einmal zum Erstflug abgehoben. Theoretisch könnten die beteiligten Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, die Türkei, Belgien und Luxemburg aussteigen. EADS müsste dann Anzahlungen in Höhe von 5,7 Mrd. Euro zurückzahlen. Doch selbst wenn die Staaten am A400M festhalten, ist das Thema möglicher Vertragsstrafen für EADS noch nicht vom Tisch.

„Die Verhandlungen bis Ende des Jahres sollten hart werden“, gab Vorstandschef Louis Gallois am Dienstag bei einer Telefonkonferenz zu. Bereits vor einigen Wochen hatte er in Paris eingeräumt, dass EADS mit den ersten bestellten 180 Maschinen wahrscheinlich nicht einmal etwas verdienen wird. Die Anlaufkosten sind bereits zu hoch. Auftragseingang bricht ein

Doch EADS kämpft nicht nur mit dem A400M. Auch der zuletzt drastische Einbruch der Passagier- und Frachtzahlen im weltweiten Luftverkehr machte sich deutlich bemerkbar. So lag die Summe der Neubestellungen im ersten Halbjahr bei gerade einmal 17,2 Mrd. Euro - nach 51,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Dennoch sind die Auftragsbücher nach dem Boom der vergangenen Jahre mit Orders im Wert von 391 Mrd. Euro immer noch gut gefüllt.

Auch die Zahl der Stornierungen halte sich bislang in Grenzen, stellte Gallois klar. „Bislang herrscht keine Panikstimmung.“ Außerdem habe sich zuletzt ein ein leichter Aufwärtstrend am Markt abgezeichnet, teilte EADS weiter mit. „Dennoch gibt es keine eindeutigen Anzeichen einer Stabilisierung.“ Im Gesamtjahr will der Konzern den Umsatz zumindest stabil halten. 2008 hatte EADS Erlöse von rund 43,3 Mrd. Euro erwirtschaftet. Beim operativen Ergebnis werden in der zweiten Jahreshälfte Rückgänge erwartet, mit roten Zahlen rechnet das Unternehmen aber nicht.

Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz, getrieben vom US-Dollarkurs, überraschend stark um zwei Prozent auf 20,2 Mrd. Euro. Für das Umsatzplus sorgten vor allem die Raumfahrtsparte EADS Astrium und der Hubschrauberhersteller Eurocopter. Bei der wichtigsten Konzerntochter Airbus ging der Umsatz um 1 Prozent auf 13,95 Mrd. Euro zurück. Der operative Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen auf Unternehmenswerte und Einmaleffekten, bei EADS als EBIT definiert, schrumpfte um 23 Prozent auf 888 Mio. Euro, der Überschuss sank von 403 auf 378 Mio. Euro.

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