Luftfahrt
Boeing: Schon 2010 geht es aufwärts

Der US-Flugzeughersteller Boeing rechnet im Gegensatz zu seinem europäischen Konkurrenten EADS/Airbus bereits Mitte nächsten Jahres mit einer Erholung des weltweiten Luftfahrtmarktes. Der neue Wunderflieger 787 "Dreamliner", dessen Start schon mehrfach verschoben wurde, soll wie geplant Ende Juni erstmals abheben.

HB PARIS. Der US-Flugzeughersteller Boeing rechnet im Gegensatz zu seinem europäischen Konkurrenten EADS/Airbus bereits Mitte nächsten Jahres mit einer Erholung des weltweiten Luftfahrtmarktes. "Wir könnten beim weltweitem Verkehr die Talsohle erreicht haben", sagte der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Scott Carson, auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Paris-Le Bourget.

Eine Normalisierung auf den Finanzmärkten könnte sich dann in der zweiten Hälfte 2010 durchsetzen. "Wir haben den Eindruck, es gibt Grund zur Hoffnung." Unklar sei, wie steil der Aufschwung sein werde. Seinen neuen Langstreckenflieger 787 "Dreamliner" will Boeing nach etlichen Verzögerungen nun wie geplant bis Ende Juni in die Luft bringen.

Der Chef der Airbus-Mutter EADS, Louis Gallois, hatte sich am Wochenende skeptischer gegeben. Er rechnet damit, dass auch die Jahre 2010 und 2011 noch schwierig werden. Airbus-Chef Tom Enders erwartet 2011 einen Rückgang der Auslieferungen um 15 bis 25 Prozent. Schon jetzt drückt Airbus bei der Produktion auf die Bremse.

Die Folgen der Krise für die Kunden, insbesondere im Frachtflugzeug-Bereich, seien schwerwiegend, räumte Carson ein. "40 bis 50 Prozent Einbruch ist für viele Frachtflieger normal. Doch das scheint auszulaufen." Eine leichte Erholung im Frachtbereich könnte aber "schon dieses Jahr, sicherlich 2010" einsetzen. Die Prognose für den Passagierverkehr sei schwieriger. "Wenn wir den Boden erreicht haben und mehr Kapital verfügbar ist, haben wir die Chance, unsere Produktionsrate zu halten."

Boeing-Konzernchef Jim McNerney hatte vor Messebeginn erklärt, er rechnet mit einem Wiederanziehen der Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2010. Bis dahin seien keine weiteren Produktionskürzungen nötig. Es wurden aber Aufträge auf 2010 und 2011 verschoben.

Allerdings hatte die Boeing-Fertigung 2008 stark unter einem langen Streik gelitten. Die Fertigung der 777 wurde von sieben auf fünf im Monat verringert. "Ich glaube, wenn sich die Krise 2011 und 2012 verlängert, wäre das eine Herausforderung für uns", sagte McNerney. "Die meisten Volkswirte sagen, dass es sich ab 2011/2012 verbessern wird. Ich muss ihnen also glauben. Aber ich bleibe optimistisch: Die Aussichten der Branche bleiben langfristig sehr gut."

"Langfristig ist die Nachfrage robust", sagte auch Carson. "Wenn die Wirtschaft sich erholt, werden sich auch der Passagier- und Frachtverkehr erholen." In den nächsten 20 Jahren würden 29 000 Flugzeuge im Wert von rund 3,2 Billionen Dollar benötigt. Auf der Anbieterseite werde sich aber einiges tun. "Airbus wird ein harter Wettbewerber bleiben. Doch von unten kommen fünf neue Wettbewerber im Bereich der Mittelstreckenflugzeuge dazu." Darunter seien China, Japan und Russland. "Wir müssen besser sein als bisher, um Branchenprimus zu bleiben", sagte Carson.

Zum neuen Langstreckenflieger 787 "Dreamliner" sagte Carson: "Es bleibt bei dem Plan, den Erstflug noch im zweiten Quartal zu absolvieren", also noch bis Ende Juni. Im nächsten Jahr sollen dann die ersten Maschinen an die Kunden gehen. Wegen der Wirtschaftskrise gab es bei der 787 zwar schon Abbestellungen, sie bleibt aber mit rund 860 Maschinen Aufträgen immer noch das bislang meistbestellte Modell der Boeing - Geschichte. Erster Kunde ist die japanische Gesellschaft All Nippon Airways (ANA).

Auch Airbus kämpfte beim geplanten Konkurrenzmodell A350 XWB mit Verzögerungen, will nun aber wie zuletzt geplant 2013 fertig sein. Boeing bekam beim "Dreamliner" besonders Probleme durch die umfangreiche Auslagerung von Arbeiten an Zulieferer. Teile davon mussten wieder in den Konzern zurückgeholt werden.

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