Luftfahrt-Branche
„Nie mehr Charlie Brown“

Der europäische Luftfahrt-Konzern EADS will sein Verlierer-Image ablegen. Während Analysten dem Konsortium aus Northrop Grumman und EADS durch den überraschenden Auftrag für die US Air Force die Marktführerschaft bei Tankflugzeugen prophezeien, steht der Konkurrent Airbus vor schwierigen Zeiten. Die Folgen des Mega-Militärauftrags in den USA.

PARIS. "Einer kleiner Schritt für die Menschheit, ein Riesenschritt für EADS." So betitelten gestern die Analysten der Investmentbank Natixis ihren Kommentar zum Sieg des Konsortiums aus Northrop-Grumman und EADS bei der Vergabe des Tankflugzeug-Auftrags für die US Air Force. Die Aktie von EADS schoss gestern zeitweise um elf Prozent nach oben. Der Broker Oddo stufte seine Einschätzung auf "Aufstocken" herauf. Analysten schätzen, dass dank des Auftrags die EADS-Aktie zwischen 0,80 Euro (Goldman Sachs) und 3,50 Euro (Oddo) an Wert gewinnt. In New York eröffneten die Papiere des Partners Northrop Grumman ebenfalls um knapp fünf Prozent fester.

Verlierer Boeing gab um 2,8 Prozent nach. Analysten spekulieren bereits darüber, dass nach dem Debakel Jim Albaugh, der Chef von Boeings Verteidigungssparte, seinen Job verlieren könnte. Ihm wird die Entscheidung angelastet, bei der Ausschreibung mit einem Tankflugzeug auf Basis der veralteten 767 gegen Airbus? jüngerer und modernerer A330 angetreten zu sein.

Freitagnacht hatte das US-Verteidigungsministerium überraschend entschieden, dem Duo Northrop Grumman/EADS den Auftrag im Wert von 35 Mrd. Dollar zuzuschlagen. Er sieht vor, der US Air Force bis zu 179 neue Tankflugzeuge zu liefern. Die neuen Maschinen mit der Bezeichnung KC-45a sollen die alten Boeing -Tanker des Typs KC-135 ersetzen, die zum Teil seit 1956 fliegen. Die Order ist der größte Rüstungsauftrag, den das Pentagon seit 2001 vergeben hat. Damals fiel die Entscheidung zum Kauf des Joint Strike Fighter zu Gunsten von Lockheed Martin.

Die Experten des Brokers Cheuvreaux rechnen damit, dass rund die Hälfte des Auftragsvolumen, also rund 17,5 Mrd. Dollar, an EADS und Tochter Airbus fällt - allerdings über mehrere Jahre verteilt. So hatte Airbus-Chef Thomas Enders gegenüber dem Handelsblatt erklärt, dass er nach der Startphase mit einem Liefervolumen von zehn bis fünfzehn Maschinen pro Jahr rechnet.

Der Auftrag unterteilt sich zwei Teile: Bis 2010 sollen Northrop Grumman und EADS der Air Force vier Testmaschinen im Wert von 1,5 Mrd. Dollar liefern, die derzeit in Toulouse produziert werden. Anschließend soll im geplanten Airbus-Werk in Mobile (Alabama) die Serienproduktion für 175 weitere Flugzeuge hochgefahren werden. Laut EADS-Chef Louis Gallois will der Konzern 2011 die erste Maschine aus der lokalen Fertigung an den Partner Northrop Grumman übergeben, der die Flieger dann in Florida mit den militärischen Systemen ausrüstet.

Seite 1:

„Nie mehr Charlie Brown“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%