Luftfahrt
Braut ohne Mitgift

Der Kampf um die angeschlagene Alitalia geht in die entscheidende Runde: In der kommenden Woche will die Airline die Bieter für exklusive Gespräche über eine Übernahme auswählen. Nach dem Rückzug der Lufthansa hat der europäische Branchenprimus Air France-KLM die besten Chancen. Was den Deutschen noch als Übernahmeziel bleibt.

MAILAND/PARIS. Mit den unverbindlichen Offerten von Air France-KLM, Air One und einer Gruppe italienischer Unternehmer steuert der Verkaufsprozess der angeschlagenen Alitalia auf ein mögliches Ende zu. Die Übernahme von Alitalia würde die Konsolidierung der europäischen Luftfahrtbranche vorantreiben. Auch für die spanische Fluggesellschaft Iberia gibt es mehrere Interessenten.

Der italienische Staat will seine Beteiligung von knapp 50 Prozent an Alitalia verkaufen. Alitalia will jetzt in den kommenden Tagen die Offerten prüfen und entscheiden, mit wem exklusive Verhandlungen aufgenommen werden. Lufthansa hat sich überraschend aus dem Bieterrennen verabschiedet.

In den vergangenen Jahren haben verschiedene erfolgreiche Fusionen gezeigt, dass Zusammenschlüsse unter Fluggesellschaften durchaus profitabel sein können. Als gelungenes Beispiel gilt der Zusammenschluss von Air France und der niederländischen KLM ebenso wie die Übernahme von Swiss durch die Deutsche Lufthansa. Air France-KLM teilte gestern mit, man sei auch nach dem Gebot für Alitalia an Iberia interessiert. Die Deutsche Lufthansa ist nach eigenen Angaben ebenfalls grundsätzlich an Iberia interessiert.

Branchenkenner räumen Air France-KLM die besten Chancen ein, bei Alitalia zum Zuge zu kommen. Italiens Regierungschef Romano Prodi hatte erst diese Woche betont, die Nationalität von Alitalia sei von „zweitrangiger“ Bedeutung. Das war eine politische Kehrtwende. Bis zum Sommer war in römischen Regierungskreisen der Wunsch vorherrschend, eine italienische Lösung zu finden.

Sollte es tatsächlich noch zu einer italienischen Lösung kommen, hätte Air One bessere Chancen als die von dem ehemaligen Verfassungsgerichtspräsidenten Antonio Baldassare geführte Unternehmergruppe, die gestern völlig überraschend eine Übernahmeofferte vorlegte. Hinter Air One steht ein von der Großbank Intesa Sanpaolo geführter Bankenpool. Am Donnertsagabend teilte Air One mit, dass sie insgesamt vier Mrd. Euro investieren und 2009 mit Alitalia den Break-Even erreichen will.

Air France-KLM ist jetzt zwar in der Favoritenrolle – „der Deal ist aber noch nicht in trockenen Tüchern“, sagt Chris Avery von der Investmentbank JP Morgan. Schließlich habe Air France betont, sie zähle auf „die Unterstützung der gesamten Belegschaft“, Da die streikerprobten Alitalia-Mitarbeiter sich bislang immer gegen Restrukturierungspläne gewehrt haben, könne die Formulierung von Air France- KLM auch als mögliche Ausstiegsklausel interpretiert werden.

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