Luftfahrt
Business-Jets zu Schnäppchenpreisen

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Pariser Luftfahrtmesse fehlten zwei prominente Hersteller: die US-Flugzeugbauer Cessna und Gulfstream. Sie blieben zu Hause, denn sie verkaufen ein Produkt, das derzeit kaum jemand haben will: Business-Jets. Firmen können oder wollen sich aus Furcht vor öffentlicher Wut keinen Firmenflieger leisten - eine Katastrophe für die Hersteller.

DÜSSELDORF. Es war die wichtigste Luftfahrtmesse der Welt, mehr als 2000 Unternehmen aus 48 Ländern kamen vergangene Woche zur Jubiläumsausgabe der Paris Airshow in Le Bourget, doch zwei bekannte Hersteller wollten gar nicht erst antreten. Der US-Flugzeugbauer Cessna bleibt ebenso zu Hause wie der Konkurrent Gulfstream.

Auch der brasilianische Embraer-Konzern stellte zumindest für seine Geschäftsflugzeug-Sparte keine Tische auf. Offiziell heißt es, man wolle sich auf die wirklichen Fachmessen konzentrieren. Doch in Wahrheit bieten die Hersteller schlichtweg Produkte an, die derzeit kaum jemand haben will: Business-Flugzeuge.

In Zeiten der Wirtschaftskrise können oder wollen es sich viele Unternehmen nicht leisten, millionenteure Flieger zu ordern. Oder sie trauen sie nicht: Im Firmenflugzeug herumreisende Manager sind in der Öffentlichkeit und bei den Aktionären nicht gern gesehen.

Ein entsprechend düsteres Bild zeichnet die Schweizer Bank UBS in einer Studie: Der Businessflieger-Markt sei gekennzeichnet von einem deutlichem Überangebot, von niedrigen Preisen und schwieriger Finanzierung. Zwar habe sich die Lage in den vergangenen Wochen leicht verbessert, jedoch "auf einem sehr niedrigen Level".

Der Einbruch gerade in Amerika, wo Privatjets lange als Symbol des Erfolgs angesehen wurden, ist für Hersteller und Zulieferer eine Katastrophe. Der Cessna-Mutterkonzern Textron musste bereits 8 200 Arbeitsplätze abbauen und macht sein Werk vier Wochen dicht, der kanadische Hersteller Bombardier verkündete im April, 3 000 Stellen zu streichen. Zuletzt hatte es in der Firmenjet-Sparte mehr Abbestellungen als Neuaufträge gegeben.

Brian Foley, auf Firmenfliegerei spezialisierter Berater aus Sparta, New Jersey, geht von bis zu 25 000 Stellenstreichungen in der gesamten Branche aus. Auch in den nächsten Monaten seien Hersteller und Zulieferer gezwungen, weitere Jobs abzubauen. Danach sieht es nicht besser aus: "Die Branche wird bis zu einem Fünftel weniger Leute einstellen", sagte Foley Handelsblatt.com.

Mit den Kunden wenden sich auch die Aktionäre ab. Die Textron-Aktie, Ende 2007 auf einem Höchststand von mehr als 73 Dollar an der New Yorker Börse wert, ist zum Februar dieses Jahres auf knapp 4 Dollar abgestürzt. Inzwischen pendelt sie um die 10 Dollar. Auch die Kurse anderer großer Hersteller wie Dassault oder Bombardier waren um den Jahreswechsel ins Bodenlose getrudelt.

Von der Bank of America bis zur Royal Bank of Scotland, von Starbucks über die großen US-Autokonzerne bis zu Alcatel-Lucent - mehr und mehr Unternehmenschefs haben sich zuletzt von ihren Maschinen getrennt oder Bestellungen abgesagt und steigen nun auf Linienmaschinen oder private Fluglinien um. "Die Zahl der zum Verkauf stehenden Business-Jets ist auf Rekordhoch", sagt Berater Foley. Er schätzt, dass derzeit fast jeder fünfte Jet zum Verkauf steht. In normalen Zeiten sei es nur jeder zehnte.

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