Luftfahrt
Debakel für Boeing: Qantas springt ab

Der Flugzeughersteller Boeing hat bei seinem Dreamliner-Projekt einen herben Rückschlag erlitten. Nachdem das Superflugzeug nicht in die Luft kommt, ist nun ein erster prominenter Kunde abgesprungen. Und Experten befürchten, dass dies erst der Anfang sein könnte.

HB SYDNEY. Neuer Rückschlag für Boeing beim Prestigeprojekt 787: Nachdem der US-Flugzeugbauer erst vor wenigen Tagen den Erstflug seines Dreamliners zum fünften Mal verschoben hat, stornierte die australische Fluglinie Qantas am Freitag 15 Maschinen des Typs. Die Abnahme 15 weiterer 787 verschoben die Australier um vier Jahre. Drei Mrd. Dollar würden somit eingespart, teilte der Konzern mit. Qantas verneinte zwar, dass die Abbestellung in Zusammenhang mit den erneuten Verzögerungen stünden. Analysten warnten aber, andere Fluggesellschaften könnten dem Beispiel folgen. "Der Luftfahrtindustrie geht es sehr schlecht. Ich denke, der Boeing-Aufschub ist ein willkommener Anlass, Flugzeuge zu stornieren oder die Abnahme zu verzögern", sagte Fondsmanager Bruce Low von der australischen Fortis Investment Partners.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin will an der Langstreckenmaschine festhalten. "Es gibt derzeit keine Pläne, den Boeing-Dreamliner abzubestellen", sagte ein Sprecher. Firmenchef Joachim Hunold will aber noch einmal einen Blick auf die Auftragsliste werfen. "Es kann sein, dass wir da noch Anpassungen vornehmen", sagte er der Tourismus-Zeitschrift fvw. Neben 25 Dreamlinern hat Air Berlin auch 26 Airbus A320 und 91 Boeing 737 geordert.

Boeing nannte am Dienstag keinen neuen Termin für den Erstflug der 787, mit der der Hersteller Neuland betreten hat. Das Flugzeug soll hauptsächlich aus neuen Verbundfaserstoffen bestehen und damit leichter und sparsamer sein. Ein seitliches Teil des Rumpfes muss aber nach neuesten Erkenntnissen des Flugzeugbauers verstärkt werden. Insgesamt hinkt das Projekt mittlerweile zwei Jahre hinter seinem ursprünglichen Zeitplan her. Boeing riskiert damit nicht nur Ansehen, sondern auch hohe Strafzahlungen. Mehr als 50 Kunden haben rund 850 Stück bestellt. 58 wurden in der Zwischenzeit schon storniert.

Die Probleme bei der Entwicklung der 787 sind hausgemacht und stehen nicht in Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise. Die Krise führt aber dazu, dass sich Fluggesellschaften mit neuen Aufträgen zurückhalten oder in Schwierigkeiten geraten, ihre Bestellungen zu finanzieren. Auf der weltgrößten Luftfahrtschau in Le Bourget Mitte Juni weckten Boeing und sein schärfster Konkurrent Airbus EADS jedoch Hoffnungen auf ein Ende der Branchenkrise.

Streitpunkt beider Konzerne bleiben staatliche Hilfen. Die USA drohten wegen geplanter Hilfen europäischer Länder an Airbus mit einer weiteren Klage bei der Welthandelsorganisation WTO. Es geht um Staatszuschüsse für den neuen Langstreckenflieger A350 und den ebenfalls stark verspäteten Militärtransporter A400M. USA und EU werfen sich seit Jahren wechselseitig vor, ihren Flugzeugkonzernen mit Subventionen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

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