Luftfahrt
Der Trend geht zum Fremdjet

Viele Firmen wollen in der Krise ihre Privatflieger loswerden oder verzichten auf die Neuanschaffung - schlecht für die Hersteller wie Bombardier oder Cessna Aircraft. Eclipse Aviation musste sogar Ende 2008 Konkurs anmelden. Von der Entwicklung profitieren die Betreiber von Geschäftsflugzeug-Flotten.

DÜSSELDORF. In Amerika ist der Firmenjet Symbol des Erfolgs - daran hat auch die Wirtschaftskrise nichts geändert. Allerdings haben jetzt weniger Firmen Erfolg. Und wer Mitarbeiter entlassen und um staatliche Hilfe bitten muss, dem steht der hauseigene Jet nicht gut zu Gesicht. In den Händen von Pleiteunternehmen werden Flieger zum Zeichen für Maßlosigkeit und Ignoranz der Manager. Geschürt hat die Kritik der Auftritt der Chefs der Autohersteller GM, Ford und Chrysler beim Hilfsappell für ihre Firmen Ende letzten Jahres in Washington. Alle Drei kamen aus Detroit - alle im eigenen Flieger. Danach wurde im Repräsentantenhaus ein Jet-Verbot für Firmen diskutiert, die Staatshilfe erhalten.

Viele Unternehmen wollen nun ihre Maschinen loswerden, bevor sie sich eine öffentliche Schelte einhandeln. Konzerne wie Starbucks, die Bank of Amerika und die Royal Bank of Scotland kündigten Anfang des Jahres an, Flieger auszumustern. Die Citigroup trat vom Kauf eines 50 Mio. Dollar teuren Jets zurück, den sie nach eigenen Angaben im Jahr 2005 beim französischen Hersteller Dassault bestellt hatte. US-Präsident Obama machte Druck, weil der Staat Milliardenhilfen für die Bank bereitstellt.

Neben zahlreichen Stornierungen machen den Herstellern auch sinkende Preise zu schaffen. Der kanadische Luftfahrtkonzern Bombardier hat im April angekündigt, im Flugzeuggeschäft weltweit weitere 3 000 Stellen zu streichen. Im Februar hatte er bereits rund 1 400 Arbeitsplätze abgebaut. Auch der Marktführer für Privatjets, Cessna Aircraft, hat seit Jahresbeginn Tausende Stellen gestrichen. Der führende Hersteller von Ultra-Leicht-Jets, Eclipse Aviation, hat Ende 2008 gar Konkurs angemeldet. Er verlor mit dem Zusammenbruch des Lufttaxi-Unternehmens Dayjet den wichtigsten Abnehmer.

Auch in Europa hat die Krise Folgen für die Privatflieger - allerdings weniger dramatische. Anders als in den USA gelte der Jet hier nicht als Statussymbol, sondern als notwendiges Werkzeug, sagt Bernd Gans, Vorsitzender der German Business Aviation Assiociation (GBAA), die rund 70 Privatjet-Besitzer vertritt. Die eine Hälfte davon sind Charterfirmen, die andere Hälfte - darunter auch Dax-Unternehmen - hat eigene Flugzeuge. "Einige Unternehmen werden auf das neue Flugzeug verzichten und die alte Maschine weiter fliegen", erwartet Gans.

Grundsätzlich verschieden sei die Situation auf den beiden Kontintenten, sagt Ulrich Horstmann, Analyst der Bayerischen Landesbank. "Die USA sind der Hauptmarkt für Geschäftsflugzeuge. Europa ist ein Zukunftsmarkt mit Nachholbedarf, der jetzt im Heranwachsen unterbrochen wurde." Hier gibt es rund 1 800 Jets - 300 davon allein in Deutschland. Nach Recherchen des neuen Privatjet-Clubs Jet Republic stehen aktuell 59 der deutschen Flieger, also jeder fünfte Jet, zum Verkauf. Eine aktuelle Studie der Bank UBS zeigt, dass weltweit derzeit 3 047 Maschinen angeboten werden, das sind 62 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Die Studie geht außerdem von Preissenkungen von 30 bis 40 Prozent für Jets aus, die jünger sind als zehn Jahre.

"Bei dem Preis verkaufen nur diejenigen, die keine andere Wahl haben - zum Beispiel weil sie wirtschaftliche Probleme haben oder unter moralischem Druck stehen", sagt Axel Beimdiek, Vertriebsmanager bei Air Alliance. Sein Unternehmen mit Sitz im Siegerland kauft gebrauchte Flugzeuge, richtet sie her und verkauft sie weiter.

Seite 1:

Der Trend geht zum Fremdjet

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%