Luftfahrt
EADS wehrt sich gegen Einmischung

Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS will ein ganz normales Unternehmen sein. Die europäischen Regierungen sich aus der Führung des Unternehmens heraushalten, sagt der Co-Chef des Konzerns, Louis Gallois. Viel Hoffnung setzt er auf den neuen Militärtransporter Airbus A400M.

HB PARIS. Die Regierungen sollten EADS als „normales Unternehmen“ betrachten, fordert Gallois. EADS wurde in jüngster Zeit von Unstimmigkeiten der deutschen und französischen Eigentümer über den Aktionärspakt belastet. Zudem mischte sich die Politik in die Umsetzung des Sanierungsprogramms für die Tochter Airbus ein. Airbus will 10 000 Stellen streichen und sechs der 16 Werke ganz oder teilweise verkaufen. Politiker sowohl in Frankreich als auch Deutschland monierten, dass ihr Land dabei benachteiligt werde. „EADS wird oft als krisengeschütteltes deutsch-französisches Unternehmen geschildert“, sagte Gallois am Freitag. „Die Gründung von EADS war gut, und dafür müssen wir unseren Anteilseignern danken.“ Die Tagesarbeit funktioniere sehr gut, fügte Gallois hinzu. Als „ermutigend“ wertete er die Kontakte der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zur Beilegung des deutsch-französischen Kräftemessens bei EADS.

EADS wurde im Jahr 2000 aus deutschen, französischen und spanischen Unternehmen gegründet. Die industrielle Führung liegt bei dem französischen Medienkonzern Lagardere und dem Stuttgarter Autobauer Daimler-Chrysler. Der französische Staat hält zwar einen Anteil an EADS, die Mitsprache ist durch den Aktionärspakt aber begrenzt. Eine Besonderheit des Konzerns ist zudem, dass er von einer deutsch-französischen Doppelspitze geführt wird. „Wir haben immer gesagt, dass es besser wäre, nur einen Chef und einen Verwaltungsratschef zu haben“, sagte der deutsche EADS-Co-Chef Tom Enders. „Aber wir haben auch gesagt, dass wir dabei Geduld haben müssen, da dies nicht unbedingt der beste Zeitpunkt dafür ist.“ Enders räumte ein, dass es durchaus „Klüfte“ innerhalb des Konzerns gebe.

Angesichts der Dollarschwäche und der Globalisierung der Märkte treibt der Flugtechnikkonzern seine eigene Globalisierung voran. 61 Prozent der Aufträge kämen von außerhalb Europas, aber nur 21 Prozent der Leistung, sagte Enders vor der Pariser Luftfahrtmesse in Paris, die am Montag beginnt. „Das wird sich ändern. Die Globalisierung steckt uns in den Genen.“ Gallois deutete an, dass die im Programm „Power8“ vorgesehenen Einsparungen und Werksausgliederungen bei zunehmender Dollarschwäche nicht ausreichen könnten. „Wenn der Euro noch weiter zulegt, wird uns das zwingen, neue Entscheidungen über die Industriestandorte zu fällen“, sagte Gallois.

„Wir müssen Airbus für einen Kurs von 1,45 Dollar je Euro wettbewerbsfähig machen. Wenn der Dollar um zehn Cent abgewertet wird, verlieren wir eine Milliarde Euro pro Jahr.“ Airbus will mehrere Werke ausgliedern. Die Bewerber für eine Übernahme oder Partnerschaft sollen im Juli bekannt gegeben werden. Flugzeuge werden weltweit gegen Dollar verkauft, doch Airbus bezahlt den Großteil seiner Mitarbeiter und Lieferanten in Euro. Damit trägt die wichtigste EADS-Sparte anders als Boeing ein hohes Währungsrisiko. Der Europäischen Zentralbank (EZB) wird vorgeworfen, Europas Industrie nicht gegen Währungsdumping zu schützen. Dazu sagte Gallois: „Der Wechselkurs spiegelt die Marktkräfte.“ Politiker und EZB könnten aber ihre Einschätzung dazu geben. „Das wäre nicht ohne Einfluss auf die Kurse.“

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