Luftfahrtbranche
Boeing gerät wegen Dreamliner-Verzug unter Druck

Der US-Flugzeugbauer Boeing gerät wegen der verzögerten Auslieferung seines neuen Prestige-Modells 787 Dreamliner zunehmend unter Druck. Das weltweit größte Leasingunternehmen von Flugzeugen, International Lease Finance Corp (ILFC), kündigte am Dienstag bei der Flugschau in Singapur an, Entschädigungszahlungen zu fordern.

SINGAPUR. "Es wird ernsthafte Gespräche geben", sagte Konzernchef Steven Udvar-Hazy der Nachrichtenagentur Reuters. Auf die Frage, ob er Kompensationen fordern werde, sagte Hazy: "Definitiv, in großem Umfang." ILFC ist eine Tochter des weltgrößten Versicherers American International Group und der bislang größte Abnehmer des sparsamen Langstreckenflugzeugs.

Bestellt hat das Unternehmen 74 Dreamliner. Im Januar hatte Boeing die Auslieferung des ersten Modells erneut auf frühestens Anfang 2009 verschieben müssen. ILFC geht deshalb jetzt davon aus, die ersten Dreamliner mit einer Verspätung von neun bis zwölf Monaten erst Ende 2010 oder Anfang 2011 zu erhalten.

Der erste Dreamliner soll an die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways gehen. Weitere Großkunden sind die australische Qantas und Air India. Auch diese drei Airlines kündigten bereits an, Kompensationsforderungen prüfen zu wollen. Auf Boeing könnten Forderungen in Milliardenhöhe zukommen. Insgesamt sind bislang 857 Dreamliner mit einem Listenpreis von zusammen 140 Milliarden Dollar geordert.

ILFC befürchtet seinerseits Ansprüche von Kunden, wie Hazy sagte. Sein Unternehmen habe die bestellten Dreamliner bereits an Airlines vermietet. Ein geleastes Flugzeug koste im Monat eine Million Dollar. Er reche damit, dass 15 bis 20 Flugzeuge von der verspäteten Auslieferung betroffen seien. Boeing selbst hat weitere Verzögerungen nicht ausgeschlossen. "Wir haben Vertrauen in unsere Pläne", sagte der Vize-Marketing-Chef der Zivilflugzeug-Sparte, Randy Tinseth, in Singapur. "Aber es wird nicht einfach werden." Neuaufträge für den 787 lagen in Singapur zunächst nicht vor.

Laut Hazy ist ILFC derzeit im Gespräch mit Boeing und dem europäischen Flugzeugbauer Airbus über den Kauf von jeweils mehr als 100 Flugzeugen. Nähere Angaben wollte er dazu nicht machen. Auch Airbus hatte die Auslieferung seines Prestige-Objekts A380 um zwei Jahre verschieben müssen. Als erste Fluggesellschaft hatte Singapore Airlines im vergangenen Oktober den Super-Jumbo erhalten.

Glänzend läuft bei Boeing das Geschäft mit dem Dauerbrenner 737. Die indonesische Fluggesellschaft Lion Air bestellte in Singapur weitere 56 Maschinen vom Typ 737-900ER mit einem Listenpreis von 4,4 Milliarden Dollar. Damit haben die Indonesier bis 2015 insgesamt 178 der Mittelstreckenmaschine geordert. Damit hätte die Airline die weltweit größte 737-Flotte.

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