Luftfahrtbranche
Die Zulieferindustrie gerät ins Trudeln

Der Einbruch in der Luftfahrtindustrie trifft vor allem die Zulieferer hart. Ähnlich wie in der Autoindustrie drohen nach Ansicht von Experten in der Luftfahrtbranche Pleiten und Zusammenbrüche. Zudem könnte die Zulieferkette abreißen. Airbus, Boeing aber auch Bombardier und Embraer fürchten erhebliche Probleme in der Produktion.

MÜNCHEN. Rainer Ott, Vizepräsident des Bundesverbandes Luft- und Raumfahrindustrie (BDLI), sieht bereits 30 Prozent der deutschen Zulieferer in ihrer Existenz bedroht. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Alix Partners bewegen sich weltweit rund 40 Prozent der Luftfahrtzulieferer im „finanziellen Risikobereich“.

Die Industrie versucht Panik zu vermeiden. „Wir sind keine Branche, die gerettet werden muss“, sagt Airbus-Chef Tom Enders, Chef des BDLI. Gleichzeitig will Airbus einen Teil seiner Barreserven über 8,5 Mrd. Euro jedoch zur Stützung seiner Zulieferer verwenden. Auch der Staat greift ein: Frankreich hat ein fünf Milliarden Euro schweres Programm zur Absatzfinanzierung von Airbus angekündigt. Auch Zulieferer sollen davon profitieren.

Ausfälle kann sich die Branche kaum leisten. „Die Prozesskette in der Flugzeugindustrie ist auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden“, sagt Luftfahrtexperte Stefan Ohl von Alix Partners. Anders als in der Autoindustrie lassen sich Luftfahrtzulieferer kaum austauschen, die Produkte müssen hohen Zertifizierungen der Luftfahrtbehörden genügen. „Das Management von in Schwierigkeiten geratenen Zulieferern wird für die großen Hersteller noch mehr als bisher das große Thema werden“, betont Ohl. Die Berater empfehlen Rezepte aus der Autoindustrie: Cash- und Materialmanagement gelte es in der Krise zu optimieren, ein strukturelles Programm- und Risikomanagement einzuführen. „Die Luftfahrtindustrie hat hier noch enormes Potential, das gehoben werden könnte“, sagt Ohl.

Bis Ende der Neunziger Jahre war die Arbeitsteilung in der Luftfahrindustrie überschaubar. Lediglich die Triebwerkshersteller entwickelten ihr Eigenleben, nachdem die US-Kartellbehörden sie frühzeitig von den Flugzeugbauern getrennt hatten. Noch Anfang der Neunziger Jahre bauten die Flugzeughersteller den Rest weitgehend selbst. Bei dem Airbus-Bestseller A320 stammt lediglich ein Drittel der Wertschöpfung von Zulieferern.

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