Luftfahrtbranche
Militärtransporter verdirbt EADS das Ergebnis

Seit drei Jahren wartet der Airbus A400M auf seinen Erstflug, doch noch immer steht kein Datum fest. Die Hängepartie um den Truppentransporter hat dem Mutterkonzern nun auch noch den Start ins Jahr verdorben: Der Vorsteuergewinn des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns brach um 70 Prozent ein. Doch die Militärmaschine ist nicht der einzige Grund für das schwache Ergebnis.

PARIS. Die Krise hinterlässt deutliche Schleifspuren in der Bilanz des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Bei der Konzerntochter Airbus sind die Neubestellungen massiv eingebrochen. Im ersten Quartal verkaufte Airbus ganze 22 Flugzeuge, im Vorjahresquartal waren es vor Abzug der Stornos noch 420. Das Orderbuch wird daher dünner: statt 3715 Flugzeuge von Ende vergangenen Jahres stehen dort nunmehr 3607 Maschinen.

Trotz der Krise bleibt EADS bei der Prognose, in diesem Jahr 300 Brutto-Bestellungen rein zu holen. „Das wird gewiss schwierig werden“, sagte aber Finanzchef Hans-Peter Ring in einer Telefonkonzerenz.

Umsatz und Gewinn von EADS verfehlten klar die Analysten-Erwartungen. Der Gewinn sank im ersten Quartal um 40 Prozent auf 170 Mio. Euro. Bis zum Nachmittag gab die Aktie knapp drei Prozent in einem stagnierenden Gesamtmarkt nach. „Die enttäuschende Performance stammt von Airbus“, erklärten die Analysten von Kepler.

Zwei Arten von Belastungen drückten den Konzerngewinn. Zum einen lieferte Airbus weniger Flugzeuge aus und musste vor allem bei Langstreckenflugzeugen Preisnachlässe gewähren. Hinzu kamen Sondereffekte wie eine erneute Sonderlast von 120 Mio. Euro für den Militär-Airbus A400M.

Zu diesem Desaster gab es gestern wenig Neues außer düsterer Ankündigungen. „Es ist sicherlich das Programm, das uns am meisten Sorgen macht“, sagte Ring. Weitere „substanzielle Lasten“ seien im ersten Halbjahr zu erwarten. In den „kommenden Tagen oder Wochen“ gäbe es in Bezug auf die A400M dann weitere Neuigkeiten, hieß es vage.

Bis Ende Juni haben sich die staatlichen Kunden und Airbus gegeben, um den Streit um die A400M beizulegen. Airbus will die Anforderungen an das Flugzeug senken, um schneller liefern zu können. Kunden wie die Bundesregierung beharren auf die abgeschlossenen Verträge und drohen mit Strafzahlungen.

Bisher hat Airbus bereits 2,3 Mrd. Euro Rückstellungen für das A400M-Desaster gebildet. „Wir glauben an den Konsensus, dass hier weitere ein bis zwei Milliarden Euro hinzukommen werden, so dass am Ende vier Mrd. Euro Rückstellungen stehen werden“, schrieben die Analysten von Merrill Lynch in einem Kurzkommentar.

Überraschend gut ist dagegen die Cash-Situation: Der Cash-Abfluss belief sich nur auf 600 Mio. Euro, im Gesamtjahr sollen es nicht mehr als 1,5 Mrd. Euro werden, versprach Ring. Derzeit hat EADS 8,7 Mrd. Euro auf der hohen Kante. Im ersten Quartal musste Airbus seinen Kunden finanziell noch nicht unter die Arme greifen, „die Lage bei den Banken hat sich entspannt“, sagte Ring.

Von den anderen Sparten stachen Eurocopter mit einem Anstieg des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) um drei Prozent auf 38 Mio. Euro und Astrium mit einem Ebit-Plus von neun Prozent auf 36 Mio. Euro heraus. Die Verteidigungssparte litt unter sinkenden Verkäufen von Raketen.

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