Luftfahrtbranche
Pariser Airshow im Luftloch

Montag eröffnet die Pariser Airshow ihre Pforten - und feiert ihren 100. Geburtstag. Doch zum Feiern ist der Branche nicht zu Mute: Absturz der Air-France-Maschine, Wirtschafts-Krise und Schweinegrippe lasten auf den Aussichten. Airbus-Chef Thomas Enders rechnet mit Rückgängen bei den Lieferzahlen in den nächsten Jahren.

PARIS. Die Krise wird die Flugzeug-Hersteller Boeing und Airbus erst mit Zeitverzug voll erwischen. Denn für dieses Jahr rechnen beide Konstrukteure noch damit, ihren Lieferrekord aus dem Jahr 2008 von jeweils rund 480 Flugzeugen wiederholen zu können. "2010 und 2011 werden die kritischeren Jahre werden", prognostizerte am Samstag EADS-Chef Louis Gallois auf dem Presse-Seminar seines Konzerns. Airbus-Chef Thomas Enders wurde deutlicher. Gerechnet von den ursprünglichen Planungen würden die Lieferungen in den nächsten Jahren um "15 bis 25 Prozent" geringer ausfallen. So plante Airbus ursprünglich, die Produktion für die A320 auf 40 Maschinen pro Monat hoch zu fahren. Statt ist sie seit Oktober 2009 auf 34 Stück pro Monat begrenzt. Da die Umsätze an den Flugzeuglieferungen hängen, dürften die Erlöse den Lieferzahlen nach unten folgen.

Der Weltverband der Luftfahrtbranche Iata rechnet damit, dass die Zahl der Fluggäste in diesem Jahr um acht Prozent sinkt, der Frachtverkehr würde gar um 17 Prozent einbrechen. Unter dem Strich würden die Airlines rund 15 Prozent weniger Umsatz machen - das wären gewaltige 80 Mrd. Euro. Logisch, dass dies auf der Kauflaune drückt.

"Die Luftfahrt-Industrie war seit jeher eine zyklische Branche", kommentiert lakonisch Randy J. Tinseth, Marketing-Chef von Boeing, die düsteren Aussichten für die nahe Zukunft. Auf lange Sicht bliebe das Geschäft mit Flugzeugen aber ein Wachstumsmarkt, ist er überzeugt. Zwar korrigierte Boeing seinen 20-Jahres-Ausblick um 400 verkaufte Flugzeuge nach unten. Dennoch gibt es nach Boeings Erhebung bis zum Jahr 2028 einen Bedarf von 29 000 neuen Flugzeugen mit einem Gesamtwert von 3,2 Billionen Dollar. Der Prognose liegt die Annahme zu Grunde, dass der Flugverkehr im Schnitt pro Jahr um 4,9 Prozent wächst und damit schneller als die Weltwirtschaft, die pro Jahr lediglich um 3,1 Prozent zulege, prognostiziert Boeing.

Scott E. Carson, Chef der Zivilflugzeugsparte bei Boeing, erklärte Sonntag gegenüber der Presse, dass er "ab der zweiten Hälfte 2010" mit einem Ansteigen der Nachfrage nach Flugverkehr wieder rechnet. "Wir haben den Tiefpunkt erreicht, die Lage stabilisiert sich", hat der Boeing-Manager beobachtet. Dabei sei unklar, in welchem Tempo die Erholung einsetzen wird. "Vermutlich wird sie aber von den USA ausgehen", so Carson.

Bis dahin muss die Branche den Nachfrage-Knick verdauen. Daher kürzen Boeing wie Airbus die Produktion, vor allem von Langstreckenfliegern wie der A330 oder der Boeing 777. "Wir sind bereit, die Produktion auch weiter zu kürzen", erklärte EADS-Chef Gallois. Entlassungen seien aber nicht nötig, denn über Zeitarbeitskonten oder dem Abbau von befristeten Verträgen habe EADS Anpassungspuffer. Boeing-Manager Carson dagegen glaubt, dass die bis dato beschlossenen Kürzungen ausreichen werden. "Ich bin vorsichtig optimistisch, die aktuellen Produktionsraten halten zu können", sagte er. Derzeit fertigt Boeing rund 30 Kurzstreckenflieger vom Typ 737 pro Monat.

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