Luftfahrtbranche
US-Airlines geraten in die Bredouille

Im Zuge des jüngsten Ölpreis-Schocks bereitet sich die Luftfahrtbranche auf den nächsten Abschwung vor. Nach einigen Jahren der Erholung und nach Rekordergebnissen führender Airlines wie Air France-KLM oder Deutsche Lufthansa werden die Aussichten wieder trüber. Unter den steigenden Treibstoffpreisen leiden insbesondere die Fluggesellschaften in den USA.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Es gebe Anzeichen, dass die Industrie "nun in die Abschwungphase des Zyklus“ eingetreten sei; zumindest beim Nachfragezuwachs und den Möglichkeiten der Finanzierung“, sagte Chris Tarry, Analyst der Beratungsfirma Aviation Industry Research. Und der Weltluftfahrtverband Iata senkte seine Gewinnprognosen für 2008 um knapp 20 Prozent: Statt weltweit 9,6 Mrd. Dollar Gewinn erwartet die Organisation jetzt nur noch einen Gewinn von 7,8 Mrd. Dollar. Durch den schnellen und kräftigen Anstieg des Ölpreises würden die Herausforderungen in den kommenden zwölf Monaten größer, sagte Iata-Chefökonom Brian Pearce.

Bisher konnte die brummende Weltkonjunktur den immensen Kostendruck ausgleichen, der auf der Branche lastet. Mit Blick auf 2008 aber wird es für viele Fluggesellschaften, die als chronisch unterkapitalisiert gelten, wieder brenzlig: Analyst Ray Neidl von Calyon Securities warnt davor, dass im US-Markt die Treibstoffpreise nahezu aller großer Airlines nur bis ins erste Quartal 2008 auf niedrigerem Niveau abgesichert seien: Danach müssen der Marktführer American Airlines, die beiden Lufthansa-Partner United und US Airways sowie Continental, Delta und Northwest mit weiteren Kostenschüben rechnen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks haben die großen Fluggesellschaften das Problem noch vergleichsweise gut im Griff: Die Lufthansa hatte zum 1. Oktober etwa 75 Prozent ihres Treibstoffbedarfs für 2008 zu einem Preis von rund 76 Dollar abgesichert. Nichtsdestrotrotz kalkuliert Lufthansa mit einem Kostensprung von 3,8 Mrd. Euro im laufenden Jahr auf 4,8 Mrd. Euro im Jahr 2008. Zum Vergleich: Der deutsche Rivale Air Berlin ist bisher nur zu 55 Prozent für 2008 abgesichert.

Das Hedging kann Steigerungen und Schwankungen nur abmildern. Der Anteil der Kerosinkosten an den operativen Kosten steigt bei allen Fluggesellschaften stetig an: Bei der Lufthansa kletterte er im Passagierverkehr von 18 Prozent 2005 auf 21 Prozent im Vorjahr. Bei Air Berlin fiel der Kostenschub aufgrund des schwächeren Hedgings noch stärker aus: Der Anteil stieg im gleichen Zeitraum von knapp 16 auf 22 Prozent an. Die renditeschwache Air Berlin kann die Belastung zudem nicht so gut verkraften wie die deutsche Nummer eins. "Je höher die Marge, desto besser kann eine Belastung wie ein steigender und schwankender Ölpreis weggesteckt werden“, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Auch bei der angeschlagenen und zum Verkauf stehenden Iberia, der Nummer vier in Europa, vertiefen sich die Sorgenfalten: Die spanische Fluglinie hat für 2008 bisher nur 30 Prozent ihrer Treibstoffkosten zum Preis von 77 Dollar abgesichert. Der aktuelle Preisanstieg könne laut Finanzdirektor Enrique Dupuy dazu führen, dass die Gesamtkosten um bis zu sechs Prozent ansteigen. Sollte der Ölpreis die 100 Dollar-Marke überschreiten, müssten die Tarife erhöht werden, sagte Dupuy jüngst.

Um die Zusatzkosten aufzufangen, heben die Gesellschaften die Ticketpreise an: Allein in den vergangenen zwei Monaten haben Fluggesellschaften in den USA schon sechs Mal die Preise erhöht. Die jüngste Runde läutete Marktführer American in der vergangenen Woche ein. Die Ticketpreise im Inlandsverkehr stiegen um 20 Dollar – doppelt so viel wie bei den Stufen zuvor. Analysten zufolge sind die Ticketpreise trotz scharfen Wettbewerbs inzwischen nur noch zwölf Prozent vom Allzeithoch des Boom-Jahres 2000 entfernt.

Seite 1:

US-Airlines geraten in die Bredouille

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%