Luftfahrtholding OAK
Russische Regierung vereint militärischen und zivilen Flugzeugbau

Nach einer langen Anlaufphase hat die russische Regierung nun offenbar mit ihren Plänen ernst gemacht, die wichtigsten Flugzeughersteller des Landes zusammenzufassen: Informationen des Industrie- und Energieministeriums zufolge ist nun die Gründung der Vereinigten Flugzeugbauholding OAK erfolgt. Unter ihrem Dach sollen die Konzerne Irkut, MiG, Suchoi, Iljuschin und Tupolew ihr Geschäft bündeln.

MOSKAU. Der Holding soll MiG-Chef Alexej Fjodorow vorstehen - 75 Prozent der Anteile bleiben in den Händen des Staates. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte kürzlich den schleppenden Prozess beim Bau der Holding öffentlich kritisiert. Grund sind die anhaltenden Unstimmigkeiten zwischen den beteiligten Firmen, darüber, wie die Anteile an der neuen Gesellschaft verteilt sein sollen und welche Rechte Minderheitsaktionäre erhalten.

„Grundsätzlich ist es Ziel der Regierung in allen strategisch wichtigen Industrien nationale Champions zu schmieden, die auf dem globalen Markt bestehen sollen“, sagt Christo-pher Weafer, Chefstratege der Alfa-Bank. Vor allem im Flugzeugbau tut Reform Not. Die Industrie hat sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht wieder erholt. Die russischen Airlines brauchen dringend neue Maschinen. Den russischen Flugzeugherstellern wie Iljuschin oder Tupolew bleiben im Export aber nur noch Nischenmärkte wie Zimbabwe oder Iran.

Wegen seines Iran-Engagements sieht sich Suchoi bereits mit US-Sanktionen konfrontiert. Experten befürchten, dass diese sich auch negativ auf das einzige neue zivile Flugzeugprogramm in Russland auswirken könnte: den gemeinsam mit Boeing geplanten Regionalflugzeug Superjet 100.

Welche Wege die Luftfahrtindustrie langfristig aus der Krise führen sollen, ist in Russland offenbar auch noch nicht klar: Der Kreml macht sich immer wieder für eine „paneuropäische Luftfahrtholding“ stark und hoffte in diese Zusammenhang auf eine enge Kooperation mit EADS. Die staatliche russische VTB-Bank hat bereits knapp über fünf Prozent an EADS erworben.

In der Frage der Mitsprache Russlands im EADS-Management ruderte der Kreml jetzt russischen Presseberichten zu Folge aber wieder ein Stück zurück: „Wir stehen vor der Wahl“, erklärte ein Sprecher der Kreml-Administration der Zeitung Wedomosti. Entweder man schlage einen „eigenen Entwicklungsweg ein“, wofür beträchtliche Haushaltsmittel erforderlich seien, oder strebe die Integration mit dem europäischen Flugzeugbau an.

In dem Fall wäre Russland für Europa nicht nur ein Partner, sondern auch ein großer Absatzmarkt. Zugleich käme Airbus mit seinen Technologien dann die Rolle des Retters der russischen Flugzeugindustrie zu, so der Sprecher.

Die Regierung hatte den Europäern bereits eine zehnprozentige Beteiligung auch an der neuen Flugzeug-Holding in Aussicht gestellt, sollte EADS einen höheren russischen Anteil an seinem Kapital akzeptieren.

Derzeit lotet die Administration aber auch noch andere Möglichkeiten aus: Angeblich will Ministerpräsident Michail Fradkow bei seinem anstehenden Besuch in China auch mit der Führung in Peking über die Gründung einer gemeinsamen Luftfahrtunternehmung sprechen.

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