Luftfahrtindustrie
China bedrängt Flugzeugbauer mit eigener Maschine

Die weltweit führenden Flugzeugbauer Airbus und Boeing müssen sich im nächsten Jahrzehnt wohl mit einem neuen Gegner auseinandersetzen: China will bis 2010 ein eigenes Großflugzeug entwickeln. Vieles spricht jedoch dagegen, dass die Chinesen den Managern in Seattle und Toulouse das Fürchten lehren.

HB PEKING/FRANKFURT. Die Ankündigung ist die logische Folge einer Entwicklung, die Airbus zuletzt selbst forciert hat: Mit der Ankündigung der Europäer, als Gegenleistung für den Verkauf von 150 Flugzeugen an China eine Endmontage in Fernost zu prüfen, hatte Airbus Ende 2005 Wirbel ausgelöst. Bisher werden Airbus-Flugzeuge ausschließlich in Toulouse und Hamburg gefertigt. Insbesondere in Frankreich ist die Angst ausgeprägt, dass China die Airbus-Technologie kopieren und als Konkurrent eigene Flugzeuge kostengünstiger bauen könnte.

Die Kritiker eines Einstiegs in China zeigten einen „Mangel an Realismus“, entgegnete Thomas Enders, Co-Vorstandschef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“. In einer weltweit vernetzten Wissensökonomie gebe es keine technologischen Besitzstände von Dauer mehr, schrieb Enders. Gleichzeitig forderte er aber von Peking einen besseren Schutz geistigen Eigentums sowie mehr Flexibilität bei chinesisch-ausländischen Joint Ventures.

Branchenexperten halten die Gefahr allerdings nicht für groß, dass China schnell zu einem ernsthaften Gegner für Airbus und Boeing aufsteigen könnte. Der Markt für Großraumflugzeuge gilt zum einen als technologisch sehr anspruchsvoll und hoch riskant: Floppt ein neues Modell auf dem Weltmarkt, müssen die Flugzeugbauer milliardenschwere Entwicklungskosten in den Wind schreiben. Daher hat sich seit vielen Jahren kein Unternehmen mehr getraut, gegen das Duopol anzutreten. Zum anderen hat China bereits vor Jahren vergeblich den Einstieg in den Flugzeugbau versucht. Die Kooperation mit McDonnell-Douglas verlief im Sande als der US-Flugzeugbauer von Boeing übernommen wurde.

Dennoch ist verständlich, dass Peking das lukrative Geschäft nicht den beiden großen Flugzeugbauern überlassen will: Mit 120 Millionen Fluggästen war China bereits 2004 drittgrößter Markt für die zivile Luftfahrt nach den USA und Europa.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%