Luftfahrtindustrie
Spitzen-Turbulenzen heizen Airbus-Krise an

Zur Krise um Lieferprobleme und Sparzwänge bei Airbus gesellt sich eine Machtprobe hinter verschlossenen Türen: Airbus-Chef Christian Streiff setzte alles auf eine Karte und rannte gegen Mauern, die wohl vor allem der deutsche Co-Chef des Mutterhauses EADS, Thomas Enders, hochgezog. Nun scheint Streiff gehen zu wollen - sein Nachfolger soll schon bereitstehen.

HB TOULOUSE. Ein Abgang des Mannes, der vor gerade einmal einem Vierteljahr zum Nachfolger des Deutschen Gustav Humbert gekürt worden war, brächte weitere schwere Turbulenzen für den in tiefer Krise steckenden europäischen Flugzeugbauer. Im Pariser „Figaro“ hieß es dazu, Streiff wolle gehen, „sofern er nicht wirklich Manövrierfreiheit erhält, um seinen Plan zur Restrukturierung mit einer Kostenverringerung von 30 Prozent auch umzusetzen“.

In dem deutsch-französischen Führungsgleichgewicht von EADS und Airbus ist der französische Chef des Flugzeugbauers mit Sitz in Toulouse ohne eigentliche Macht: er berichtet dem Deutschen Enders. Und er kann Schlüsselpositionen bei Airbus nicht selbstständig besetzen.

Streiff wollte Autonomie für Airbus, EADS aber die Tochter fester an die Hand nehmen. Nun wird ihm „Mangel an Diplomatie“ vorgeworfen: Er habe doch von Anfang an gewusst, dass Airbus stärker integriert werden solle. „Der Airbus-Chef kann - aber nur eingeschränkt - auf Unterstützung der französischen Aktionäre und des EADS-Co-Präsidenten Louis Gallois zählen“, gab das Wirtschaftsblatt „La Tribune“ eine Wasserstandsmeldung der hektischen internen Diskussionen am Wochenende bei EADS und Airbus. Nachdrücklich stellten sich Premierminister Dominique de Villepin und Außenhandelsministerin Christine Lagarde noch hinter den Franzosen, als wollten sie ihn davon abbringen, das Tischtuch zu zerschneiden.

Die Zeit für eine Entscheidung bei dem Airbus-Spitzenposten drängt nicht nur, um den abgesackten europäischen Flugzeugbauer wieder auf Höhe zu bringen. Präsident Jacques Chirac und Kanzlerin Angela Merkel dürften kaum geneigt sein, den deutsch-französischen Ministerrat am Donnerstag in Paris ganz von dem leidigen Sujet dominieren zu lassen. Sofern sich die Politiker über den Rhein hinweg auf Zugeständnisse im Führungsgleichgewicht einigen, könnte Streiff als Opfer auf dem Altar deutsch-französischen Krisenmanagements nahe liegen - und auch, dass der Branchenkenner Louis Gallois im Doppelhut neuer Airbus-Chef wird.

Das allerschlimmste Szenario wäre für Airbus, wenn Deutsche und Franzosen auf keinen Nenner mehr kommen. Streiff, der für den umstrittenen Abzug der Endmontage des A380 aus Hamburg nach Toulouse war, könnte schon Anfang nächsten Jahres einen attraktiven anderen Posten annehmen. Der Familie Peugeot wird nachgesagt, ihn als Nachfolger für den scheidenden PSA-Chef Jean-Martin Folz anwerben zu wollen. Die französischen Autobauer hätten ihre Personalfrage damit gelöst. Den Flugzeugbauern bleiben dagegen die Produktionsprobleme nicht nur des A380, und zudem auch die Unsicherheiten und die Unruhe, die durch die häufigen Wechsel in den Spitzenpositionen entstehen.

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