Luftfahrtkonzern
EADS erwartet fette Airbus-Jahre

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS soll aus seinem riesigen Auftragsbuch endlich Gewinne machen. Nach wie vor ist die technisch aufwendige Produktion des Riesenairbus A380 ein finanzielles Abenteuer, doch die Chancen stehen so gut wie lange nicht mehr, glaubt der Mutterkonzern. Experten teilen den Optimismus.
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Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS erwartet sprudelnde Gewinne aus seinen Flugzeugverkäufen. "Unter dem Strich wird sich die Profitabilität von Airbus in den nächsten Jahren verbessern", sagte Konzernchef Louis Gallois im Gespräch mit dem Handelsblatt. Für dieses Jahr erwartet der Gesamtkonzern ein Vorsteuerergebnis von einer Milliarde Euro. "Auch wenn wir dieses Ziel erreichen dürften, eine gute Leistung wäre das meiner Meinung nach noch nicht", sagt Gallois.

Das liegt zum Teil am schwachen Dollar, der EADS traditionell schwer trifft. Noch schwerer wiegen aber die Entwicklungs- und Produktionsprobleme bei Airbus. Nach wie vor ist die technisch aufwendige Produktion des Riesenairbus A380 ein finanzielles Abenteuer, das nach Berechnungen der Deutschen Bank allein in diesem Jahr erneut einen Verlust von 850 Millionen Euro verursachen dürfte. Doch EADS und Airbus bekommen ihre Baustellen so langsam in den Griff, auch wenn Gallois einen konkreten Ausblick für 2011 verweigert. Experten teilen den Optimismus. "Wir sind von einem starken Ergebnisanstieg bei Airbus in den kommenden vier bis fünf Jahren überzeugt", sagt Ben Fiedler von der Deutschen Bank in London.

Airbus bestreitet mehr als zwei Drittel der Konzernerlöse von zuletzt 42,8 Milliarden Euro. In den vergangenen vier Jahren haben die Flugzeugbauer lediglich einmal schwarze Zahlen an die Mutter geliefert. Dabei sind die Rahmenbedingungen nahezu perfekt: Die Wirtschaftskrise hat der Flugzeugindustrie kaum geschadet. Zwar sind die Auftragseingänge nach den Boomjahren 2005 bis 2009 zurückgegangen, doch kaum eine Fluggesellschaft hat Maschinen abbestellt. Das Auftragsbuch ist nach Listenpreisen 405 Milliarden Euro wert. Das reicht rechnerisch für zehn Jahre Vollauslastung.

Doch davon bleibt bislang nichts hängen. "Noch lasten zu viele Einmaleffekte auf unserem Ergebnis", klagt Louis Gallois. Vor allem die Verluste des Militärtransporters A400M der Tochter Airbus Military schmerzen. So rissen die 1,7 Milliarden Euro Sonderbelastungen von Airbus Military EADS im Jahr 2009 mit 322 Millionen Euro in die roten Zahlen. Diese Sonderlasten verstellen laut Gallois den Blick darauf, dass die Ergebnisse der Airbus-Modelle A320 und A330 sehr profitabel sind. Airbus fährt die Produktion dieser beiden Flugzeugmodelle gerade hoch, um der gigantischen Nachfrage aus Asien und vor allem China nachzukommen.

Schrittweise soll nun die wahre Ertragskraft von Airbus ans Licht kommen. Ein großer Gewinnkiller ist bislang der Euro. Flugzeuge werden in Dollar abgerechnet; EADS bilanziert aber in Euro. Sinkt der Wert des Dollars wie zuletzt, reißt das dicke Löcher in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Mehr als bisher hat EADS jetzt vorgesorgt. "Durch unser Hedging werden wir die vorteilhaften Effekte des stärkeren Dollars in den Jahren 2013 und 2014 spüren", erklärt Gallois. Auch die A380 verliert langsam ihren Schrecken für die Bilanz. "Die Kosten der Produktion der A380 werden langsam sinken", erklärt Gallois. "Der Break-even wird 2014 oder 2015 erreicht sein." Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Verluste der Produktion des Riesenjumbos 2013 auf 300 Millionen Euro pro Jahren sinken und 2015 eine kostendeckende Produktion möglich ist.

Ein weiterer Gewinntreiber sind die Effekte aus dem Sparprogrammen "Power8" und "Future EADS", die in Entwicklung, Einkauf und Produktion deutliche Einschnitte gebracht haben. Und auch die A400M könnte aus dem Gröbsten raus sein. Mit der Milliardenbelastung 2009 sind derzeit alle erkennbaren Risiken abgedeckt, sagt EADS - noch fehlt allerdings der finale Produktionsvertrag mit den europäischen Regierungen. Als Risiko bleibt in der Bilanz die Entwicklung des Langstreckenflugzeugs A350, das 2012 fliegen soll. Hier beruhigt Gallois: "Bei den Entwicklungskosten für die A350 werden wir im nächsten Jahr einen Höhepunkt sehen, aber insgesamt wird der Forschungs- und Entwicklungsaufwand nicht steigen."

Dann könnten Airbus und EADS ihren Hauptaktionären Daimler, Lagardère und dem französischen Staat endlich die Gewinne abliefern, die sich die Partner seit der Gründung des Unternehmens vor zehn Jahren immer gewünscht haben. Die Deutsche Bank schätzt, dass allein Airbus im Jahr 2015 einen Gewinn von 2,9 Milliarden Euro einfliegen kann, nach mageren 271 Millionen, die für 2010 erwartet werden. Hinzu kämen noch die Ergebnisse der übrigen EADS-Töchter Cassidian (Verteidigung), Astrium (Weltraum) und Eurocopter (Hubschrauber), die bereits profitabel arbeiten.

Die Schrecken der Vergangenheit und die guten Perspektiven für die Zukunft machen vorsichtig. Beispiel A320: Airbus plant, seinen Bestseller A320 mit neuen Triebwerken auszustatten und damit noch bis mindestens 2024 im Markt zu lassen. Noch habe der Konzern hierzu kein grünes Licht gegeben, die Entscheidung soll aber dieses Jahr fallen. "Es geht um die Frage, ob wird das mit unseren Ingenieurkapazitäten stemmen können", erklärt Gallois seine Hauptsorge; die Kosten, die Technik oder die Marktakzeptanz "sind keine Frage".

Die Entwicklung eines komplett neuen Flugzeugs ist damit vom Tisch, obwohl Boeing einen solchen Schritt für sein Konkurrenzmodell 737 nicht ausschließt. Der Markt für diese beiden Mittelstreckenflugzeuge ist mit Abstand der bedeutendste mit Blick auf die Stückzahlen. "Boeing wird tun, was es für richtig hält. Wir glauben, dass wir mit den neuen Triebwerken und neuen Flügelspitzen den Spritverbrauch um 12 bis 15 Prozent senken können. Ein komplett neues Flugzeug könnte ein paar Prozent mehr rausholen, aber die Entwicklung ist zehnmal so teuer", sagt Gallois.

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