Luftfahrtmesse in Farnborough
„Gott sei Dank gibt es ja noch die Scheichs“

Die Luftfahrtindustrie steckt in der Flaute, Käufer aus Amerika und Europa machen sich bei dem wichtigsten Branchentreffen rar. Großes Geld ausgeben können im Moment nur Fluggesellschaften und Leasing-Firmen aus dem Nahen Osten.

FARNBOROUGH. Im EADS-Chalet gibt es Tee und Datteln. Lächelnde Hostessen bieten sie am Eingang zu dem engen Konferenzraum im Messe-Pavillon des Flugzeugherstellers an, passend zur gemeinsamen Präsentation mit Qatar Airways. Dann nehmen der Chef der Fluggesellschaft, Akbar Al-Baker, und EADS-Boss Tom Enders auf dem Podium zwischen Flugzeugmodell und Fähnchen Platz. Es gilt, einen neuen Verkaufserfolg zu verkünden im ewigen Wettlauf zwischen Airbus und Boeing auf den Luftfahrtmessen dieser Welt. Doch in Farnborough, dem wichtigsten Branchentreffen dieses Jahres, ist die Stimmung nicht nach Fanfaren. Der Kontrast zum maßgeblichen Branchentreffen 2007 in Le Bourget bei Paris ist allzu deutlich.

Al-Baker räuspert sich und kündigt an, „bis zu“ sechs Airbus A 320 zu kaufen. Ein Zischen geht durch die Reihen der Journalisten – „six“! Dafür hat sich der Weg aus dem Pressezentrum kaum gelohnt. Doch Enders preist unverdrossen den strategischen Weitblick Al-Bakers. „Das zeigt, dass nicht überall in der Branche Düsternis und Schwermut herrschen“, sagt er. Al-Baker gibt zurück, er stehe fest zu Airbus und plane in nicht zu ferner Zukunft einen weiteren Auftrag. Es folgt der übliche Händedruck vor Flugzeugmodell für die Fotografen.

Die Damen mit den Datteln und dem Tee können eigentlich gleich stehen bleiben – fast alle Käufer in Farnborough kommen aus dem Nahen Osten. Den ersten Kracher landet Etihad, die Airline aus Abu Dhabi, am Montag mit einem 20-Milliarden-Dollar-Paket, aufgeteilt auf Airbus und Boeing. Der größte Besteller am Dienstag ist die Leasing-Firma Dubai Aerospace, die 100 Maschinen für 13 Mrd. Dollar bei Airbus ordert. Daneben kaufen noch Tunisair, Fly Dubai, Saudi Arabian Airlines, Aeroflot aus Russland, Asiana aus Südkorea, Arik Air aus Nigeria, Malaysian Air und weitere Leasingfirmen ein. Nichts aus Europa und Nordamerika. „Gott sei Dank gibt es ja noch die Scheichs“, sagt ein Luftfahrtmanager mittags am Stehtisch.

Das Auftragsbuch von Farnborough 2008 hat erst am dritten Tag die 47 Mrd. Dollar überschritten, die schon der erste Tag in Le Bourget 2007 brachte. Dafür gibt es einen klaren Sieger im Ankündigungs-Wettlauf: Airbus. Das europäische Konsortium führt bis dahin mit 241 zu 137 Orders. Doch die Zahlen haben nur begrenzten Wert. In ihnen sind einige Verträge enthalten, denen schon Vorverträge vorangegangen waren. Boeing etwa hat die 45 Maschinen für Etihad bereits als Auftrag veröffentlicht, ohne den Namen des Käufers zu nennen.

Letztlich ist die Erbsenzählerei in Farnborough müßig: Der Boom der vergangenen Jahre hat die Auftragsbücher der beiden großen Konzerne so aufgebläht, dass sie ohnehin mehrere Jahre brauchen werden, um sie abzuarbeiten. Dringender für sie ist es, ihre Probleme mit dem Anlauf neuer Modelle wie der A 380 und der Boeing 787 zu lösen. Nicht umsonst sind beide Hersteller ausgesprochen optimistisch, was die Wachstumsaussichten für die nächsten 20 Jahre anbelangt. Eine kurze Durststrecke lässt sich da mit Tee und Datteln überbrücken.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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