Luftfahrtmesse in Le Bourget
Airbus verkürzt Abstand zu Boeing

Der europäische Flugzeugbauer Airbus ist zum Auftakt der wichtigsten Luftfahrtmesse im französischen Le Bourget seinem Ziel näher gekommen, die neue Version des Langstreckenflugzeugs A350 in den Markt zu drücken. Airbus hat am Montag insgesamt Bestellungen im Wert von 39 Mrd. Dollar erhalten, davon 114 Stück A350.

HB DÜSSELDORF. Größte Kunden waren dabei Qatar Airways und US Airways. Insgesamt hat Boeing mit seinem Modell 787 Dreamliner seit Programmstart 2004 bereits 584 feste Bestellungen für die neue Generation an Langstreckenfliegern vorliegen, Airbus für seine A350 jetzt 127.

Analysten sehen die neuen Bestellungen als wichtigen Meilenstein. „Die Europäer haben eine Niederlage verhindert“, sagt Richard Aboulafia, Vize-Chef der US-Luftfahrtconsulting Teal Group. Airbus brauche 100 feste Orders, um ein Comeback für sein A350-Programm zu belegen. „Für einen echten Gegenangriff auf Boeing brauchen sie aber weitere Bestellungen von führenden Airlines wie Emirates oder der Leasinggesellschaft ILFC.“

Airbus war mit seinem A350- Programm im vergangenen Jahr ins Schleudern gekommen, als Airlines den Flugzeugbauer zu einem kompletten Neudesign gedrängt hatten. So hatte Airbus zu Beginn der Schau in Le Bourget lediglich 13 feste Bestellungen. Bis zum Jahresende erwartete Airbus-Chef Louis Gallois gestern 200 Orders.

Airbus ist Qatar Airways bei der Bestellung der A350 mit einem Katalogpreis von 16 Mrd. Dollar offenbar entgegengekommen. Ein Grund ist, dass das Flugzeug mit der Versionsbezeichnung XWB noch nicht endgültig geplant ist. „Die Ausstattung des Flugzeugs ist zu einem großen Teil maßgeschneidert auf Qatar“, sagte Qatar-Chef Akbar al-Baker. Zudem sind in der Branche hohe Preisnachlässe für Großkunden üblich.

„Das ist eine gute Show, um den Produktstart zu unterstützen, aber Airbus hat noch einen extrem weiten Weg vor sich beim Zeitplan und bei der Zahl der Bestellungen, um zur Boeing 787 aufzuschließen“, sagt Jon Kutler, Chef der Investmentfirma Admirality Partners in Los Angeles.

Boeing gab sich bei der Messe gelassen. Vizepräsident Scott Carson sagte, Boeing habe Aufträge für 188 Mrd. Dollar in seinen Büchern stehen und erwarte, dass sich der Aufschwung noch jahrelang fortsetzen werde. Die Firma schätzt den Flugzeugmarkt in den kommenden 20 Jahren auf 28 600 Maschinen im Wert von 2,8 Billionen Dollar – 200 Mrd. Dollar mehr als in der Prognose vor einem Jahr. Am 8. Juli präsentiere Boeing die 787 der Öffentlichkeit, im Mai 2008 solle der erste Flieger an die Kunden gehen, sagte Carson. Boeing hat insgesamt 584 Maschinen an 45 Kunden verkauft. Damit ist die Produktion bis 2015 gesichert.

Die neuen Langstreckenflieger unterhalb der Superjumbos gewinnen an Bedeutung, weil die Fluglinien mehr Direktverbindungen anbieten. So kündigte Lufthansa jüngst an, Interkontinentalverbindungen auch ab anderen deutschen Städten als Frankfurt und München anzubieten. Auch Airlines aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie Jet Airways aus Indien setzen zunächst auf die kleineren Maschinen.

Dabei gehen die Fluggesellschaften strategisch vor. Sie haben Interesse daran, dass es für die Generation der kleinen Langstreckenflieger zwei Adressen gibt. Die meisten großen Fluggesellschaften fliegen mit Maschinen beider Hersteller. Die Folge sind zwar höhere Kosten, weil Piloten immer nur auf einen Typ geschult sind, die Abhängigkeit von einem Hersteller gilt es aber, so gering wie möglich zu halten.

Die Schau in Le Bourget ist die größte internationale Luftfahrtmesse der Welt. In diesem Jahr ist sie so groß wie nie. 400 000 Gäste erwarten die Veranstalter bis zum kommenden Sonntag auf dem Flugfeld und in den Messehallen nördlich von Paris.

Die Bestellungen

Airbus: Vor allem die aggressiv expandierenden Fluglinien aus den Golfstaaten schlugen wieder zu. Qatar Airways kaufte drei A380 und wandelte einen Vorvertrag für 80 Langstreckenflugzeuge des Typs A350 XWB in Festbestellungen um. Emirates orderte acht weitere A380 und erwartet damit jetzt insgesamt 55 Riesenjumbos. Die in Kuwait ansässige Flugzeug-Leasinggesellschaft Alafco gab zwölf A350 sowie sieben A320 in Auftrag. Auch US Airways griff zu. Die Amerikaner orderten insgesamt 90 neue Maschinen bei Airbus – darunter 22 des Typs A350.

Boeing: Boeing meldete ebenfalls Abschlüsse. So bestellte die indonesische Lion Air 40 Flugzeuge vom Typ B737. Die auf Flugzeug-Leasing spezialisierte Gecas orderte sieben B777 in der Frachtversion.

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