Luftfahrtshow
Boeing-Chef: Airbus holt auf

In den vergangenen Monaten sah es für den Boeing-Konkurrenten Airbus nicht besonders gut aus. Jetzt holt Airbus auf und selbst Boeing-Chef Jim McNerney erwartet ein enges Rennen mit Airbus um die Marktführerschaft im Flugzeugmarkt. Denn so unangreifbar ist die Führungsrolle der Amerikaner nicht mehr.

PARIS. „Wir sollten in diesem Jahr auf mindestens 600 Bestellungen kommen“, sagte McNerney am Mittwoch auf der Luftfahrtshow in Le Bourget. Zuvor hatte Airbus-Chef Louis Gallois eine ähnliche Zahl als Ziel für den europäischen Flugzeug-hersteller genannt.

Boeing hatte Airbus im dem prestigeträchtigen Konkurrenzkampf im vergangenen Jahr klar distanziert, die Amerikaner verbuchten 1044 Festbestellungen, Airbus 824. Boeing profitiert von der Attraktivität des neuen Mittelstreckenjets 787 „Dreamliner“, der vor seinem geplanten Erstflug im September über 600 Festbestellungen aufweist. Airbus hingegen muss Milliardenverluste wegen der verspäteten Auslieferung des Riesenairbus A380 verkraften. Zudem müssen die Europäer den Dreamliner-Konkurrenten A 350 komplett überarbeiten und werden mit ihrem Modell frühestens 2013 auf den Markt kommen.

Doch trotz der scharfen Kritik wichtiger Airbus-Kunden im Vorfeld der Messe gelang es den Europäern, mit US Airways und Qatar zwei wichtige Kunden für ihren Hoffnungsträger zu gewinnen. „Die Aufträge für die neue A 350 und ihr gesundes Auftragspolster für die A320-Familie zeigen, dass sie wieder Boden unter den Füßen haben“, sagte McNerney mit Blick auf die Konkurrenz. „Sie dürfen ein Unternehmen nicht nach zwei schlechten Jahren beurteilen“, kommentiert McNerney die Situation des Rivalen. „Wir waren vor neun Jahren auch in einer bedrohlichen Schieflage“.

McNerney sieht den Dreamliner, dessen erstes Exemplar in drei Wochen vorgeführt werden soll, im Plan. „Vor einem Jahr hatten wir noch technische Sorgen, das haben wir hinter uns“, sagt der Boeing-Chef. Die Amerikaner begeben sich mit dem Bau der Maschine technisch und industriell auf Neuland. Der Rumpf wird nicht aus Aluminium, sondern aus Kohlefasern gefertigt. Dreiviertel der Entwicklung und Komponenten stammen aus einem Netz weltweiter Zulieferer, deren Arbeiten Boeing mit großer Mühe koordinierte. „Wir mussten vieles ausprobieren und haben manchmal die Fähigkeit einiger Partner überschätzt“, räumt McNerney ein. „Aber die Strategie ist richtig.“ Airbus will die A 350 ebenfalls zu einem großen Teil von „Risikopartnern“ entwickeln und fertigen lassen.

Für die Rivalen stehen in den kommenden 18 Monaten entscheidende Ausschreibungen an. So wollen auf dem US-Markt die Branchengrößen American und United Airlines ihre Langstreckenflotten modernisieren. In Europa stehen mit British Airways und Lufthansa zwei Schlüsselkunden vor dem Zuschlag für neue Langstreckenjets. Mit großer Spannung wird zudem die Vergabe des Beschaffungsauftrags der US-Luftwaffe verfolgt. Die Amerikaner wollen in einer ersten Tranche 170 ihrer über 530 Luftbetankungsflugzeuge ersetzen, der Auftragswert der ersten Tranche wird auf 35 Milliarden Dollar geschätzt.

Boeing tritt mit einer Variante der 767 an, Airbus schickt gemeinsam mit Northrop Grumann eine modifizierte A330 ins Rennen und hat Experten zufolge gute Chancen für den Zuschlag. „Es wird bei diesem Auftrag mehr als ein Tankermodell zum Zug kommen“, sagt McNerney. „Wer in der ersten Runde leer ausgeht, wird halt bei der zweiten Tranche seine Chance haben“. Die Entscheidung über die Vergabe soll im Oktober fallen. Sollte Airbus den Zuschlag erhalten, wollen die Europäer im US-Bundesstaat Alabama eine Endmontage für die A 330 errichten, die auch für den Zivilmarkt genutzt werden kann.

McNerney hält das globale Duopol von Airbus und Boeing allerdings nicht für alle Zeiten gesichert. „Auf lange Sicht werden neue Anbieter kommen“, sagt der Boeing-Chef. Vor allem die Chinesen haben einen Riesenmarkt, sie haben die Ressourcen und sie haben Geld“, sagt McNerney. Aber ein chinesischer Anbieter bräuchte die Akzeptanz der Kunden, und das sei die größte Hürde in der Flugzeugindustrie. „Ich glaube das wird dauern. 15, 20, vielleicht 25 Jahre werden sie brauchen um auf den Markt zu kommen“, so der Boeing-Chef.

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