Luftfahrtshow Farnborough
Flugzeugbauer drücken aufs Tempo

Trotz Wirtschaftskrise boomt das Geschäft mit Passagierflugzeugen. Die Flugzeugbranche erwartet neue Milliardenaufträge in Farnborough und einen Produktionsanstieg um 45 Prozent bis zum Jahr 2015.
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MünchenDer Plan ist ambitioniert. 2,6 Milliarden Dollar will die japanische Fluggesellschaft ANA in den kommenden Tagen bei ihren Investoren einsammeln, das Startkapital für einen radikalen Neubeginn. Monat für Monat treffen nagelneue Maschinen vom Typ Boeing 787 "Dreamliner" in Tokio ein, seit Januar fliegt der "Dreamliner" täglich nach Frankfurt. Sechs Maschinen sind bislang im Einsatz, 49 weitere will ANA in den kommenden Jahren in Betrieb nehmen und damit die Konkurrenz in Europa und den USA angreifen.

ANA ist Erstkunde für den Dreamliner, den Wundervogel aus Kohlefaser, den Boeing erst seit einem halben Jahr ausliefert. Mehr als 800-mal hat Boeing den neuen Superflieger vor der Erstauslieferung verkauft. Und er hält, was der Hersteller verspricht: 21 Prozent weniger Sprit verbraucht der Dreamliner gegenüber dem Vorgängermodell Boeing 767, sagt ANA. Für eine Branche, die mittlerweile mehr als die Hälfte ihrer Erlöse für Kerosin ausgibt, sind solche Einsparungen eine Überlebensfrage.

ANA ist exemplarisch für die Situation in der Flugzeugindustrie. Trotz schlapper Weltkonjunktur und steigender Ölpreise bestellen die Airlines so viele neue Maschinen wie noch nie. Denn der Luftverkehr nimmt weiter zu, Airbus und Boeing rechnen übereinstimmend mit einer Verdoppelung der Flugzeugflotten in den kommenden 15 Jahren. Auch auf der heute im englischen Farnborough beginnenden Branchenmesse erwarten die Flugzeughersteller neue Milliardenaufträge. Nach Berechnungen der Beratungsfirma Alix Partners werden Airbus und Boeing die Produktion in den kommenden vier Jahren um 45 Prozent ausweiten, um der Nachfrage Herr zu werden. Denn: "Langfristig werden diejenigen Airlines erfolgreich sein, die moderne Flotten betreiben", sagt Stefan Ohl, Luftfahrtexperte von Alix Partners.

Die Milliardenaufträge setzten die Hersteller unter Druck, sie müssen ihre Kapazitäten schnell ausweiten. So reagiert Airbus auf den Boom im US-Markt und will eine Fabrik für den Verkaufsschlager A320 Neo im US-Bundesstaat Alabama bauen. Die Produktion in Hamburg, Toulouse und Tianjin (China) wird hochgefahren. Folge können Qualitätsmängel sein. Dabei sind die Probleme in der laufenden Fertigung noch gar nicht gelöst. Risse in den Tragflächen des Riesenvogels A380 führen zu erneuten Lieferverzögerungen. Aber auch Boeing strapaziert die Geduld seiner Kunden: ANA musste drei Jahre länger auf seinen ersten Dreamliner warten als vertraglich vereinbart. Die Verzögerungen belasten Airbus wie Boeing auf Jahre mit Milliardensummen.

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