Lufthansa
Lukrative Langstrecke

Die Deutsche Lufthansa weitet ihr Angebot an Langstreckenverbindungen aus: Die Planungen der Lufthansa zielen auf die Übernahme der britischen Fluggesellschaft British Midland (BMI), die ihrerseits Start-und Landerechte in London Heathrow hat. Damit reagiert die Lufthansa auf die Liberalisierung des Luftverkehrs – und den Vorstoß eines Kontrahenten.

DÜSSELDORF. Zwar plant die größte deutsche Fluggesellschaft nach der Liberalisierung des Luftverkehrs zwischen der EU und den USA vorerst keine Nordatlantikflüge aus Städten wie Madrid und Paris, erfuhr das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen. Aber Lufthansa bereitet die Übernahme der britischen Fluggesellschaft British Midland (BMI) vor, die Start- und Landerechte in London-Heathrow hat.

Die Lufthansa hat für 2008 mehrere hundert Mill. Euro für den Kauf weiterer BMI-Anteile als Investition eingeplant. Bisher sind die Deutschen an BMI mit 30 Prozent minus eine Aktie beteiligt. Für den 20-Prozent-Anteil an BMI, den die Fluglinie SAS zum Verkauf anbietet, hat Lufthansa ein Vorkaufsrecht. Und der Mehrheitseigner, der Brite Michael Bischop (50 Prozent plus eine Aktie) könnte Beobachtern zufolge aufgrund des Restrukturierungsbedarfs bei British Midland seine Put-Option ziehen und Lufthansa seine Anteile andienen.

Anfang des Jahres hatten sich die EU und die USA auf das sogenannte Open-Skies-Abkommen geeinigt, das für mehr Wettbewerb bei Transatlantikverbindungen sorgen soll. Lufthansa reagiert mit den Kaufabsichten für BMI darauf, aber auch auf den Vorstoß von Europas Nummer eins. Air France-KLM ist mit der amerikanischen Fluglinie Delta in Hinblick auf Open Skies ein Joint Venture eingegangen, um ab April auch täglich von London-Heathrow gen Westen abzuheben. Ziel ist es, den Umsatz über dem Nordatlantik um 45 Prozent zu steigern. „London-Heathrow ist einer der attraktivsten Flughäfen Europas – vor allem als Gateway für den Transatlantikverkehr. Mit den Start- und Landerechten von BMI hat Lufthansa den Fuß in der Tür und baut ganz nebenbei auch noch eine Gegenposition zu British Airways auf“, sagt Jürgen Ringbeck, Luftfahrtexperte der Strategieberatung Booz Allen Hamilton.

Neben dem Engagement in London baut Lufthansa das Langstreckenangebot auch ab Frankfurt, München und Düsseldorf sowie Zürich (Swiss) aus. Wachstumsmärkte sind dabei Amerika und Asien. Neue Non-Stop-Ziele im Winterflugplan sind Buenos Aires, Orlando und Karatschi/Lahore. Die Langstreckenflotte von 89 Maschinen rüstet die Gesellschaft auf. Die Sitze in der Economy Class erhalten eigene Monitore und die 20 noch verbliebenen Zwei-Klassen-Maschinen eine First Class. Die Investitionen sind gezielt getätigt. Die Langstrecke gilt aufgrund des hohen Anteils an Premiumgästen (Business und First Class) als lukrativ. Ihr Beitrag zum operativen Ergebnis ist überproportional.

Die Langstrecke stärker auszubauen, hat auch den Grund, die Billigflieger auf Abstand zu halten. Denn Ryanair und Easyjet, Europas führende Billigflieger, haben den Kontinent erobert – und zwar längst nicht mehr nur auf touristischen Routen. Easyjet etwa will ab Montag mit einer speziellen Software über Reisebüros um Geschäftskunden buhlen. Und auch im Interkontinentalverkehr schläft die Konkurrenz nicht und zwingt zu Gegenmaßnahmen. Nach Aufnahme der Verbindung Genf-New York durch Qatar Airways etwa kündigte Swiss die Partnerschaft (Codeshare) auf.

Auch die deutsche Nummer zwei holt auf. Mit der Übernahme der LTU hat Air Berlin die Langstrecke ins Visier genommen und bietet ab Mai aus Düsseldorf Non-Stop-Flüge mit Business Class nach Amerika und nach Asien an. Damit eröffnet Air Berlin zumindest kurzfristig in Deutschland einen Preiskampf.

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