Lufthansa-Verkaufspläne
British Airways schielt auf BMI-Landerechte

Die Lufthansa könnte für ihre zum Verkauf stehende britische Tochter BMI einen ersten potenziellen Abnehmer gefunden haben. British Airways ist allerdings in erster Linie an den Landerechten der Fluglinie interessiert.
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Frankfurt/LondonDie Verkaufspläne der Lufthansa für ihre britische Tochter BMI haben den ersten Interessenten auf den Plan gerufen. British Airways wirft ein Auge auf die defizitäre Airline - und will sich vor allem die Landerechte BMIs auf Europas größtem Flughafen London Heathrow sichern. „Wir haben kein Geheimnis aus unserem Interesse an BMIs Heathrow-Landerechten gemacht“, sagte eine Sprecherin der British-Airways-Holding IAG am Montag. Unmittelbar bevor stehe ein solcher Deal aber nicht.

Die Lufthansa prüft nach Reuters-Informationen vom Sonntag einen Verkauf von BMI und hat die Bank Morgan Stanley mit der Suche beauftragt. Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer hatte bereits Anfang September gesagt, der Konzern prüfe als eine von mehreren Optionen, einen Partner für BMI zu finden. An den Aussagen habe sich seitdem nichts geändert, sagte eine Konzernsprecherin. Ziel sei es, gemeinsam mit BMI Lösungen zu finden, um das Unternehmen wieder profitabel zu machen.

BMI hält elf Prozent der im Branchenjargon Slots genannten Landerechte in Heathrow und liegt damit weit abgeschlagen hinter British Airways, die 42 Prozent kontrolliert.

Eine mit den Lufthansa-Plänen vertraute Person sagte, der Verkauf wäre eine „Herkulesaufgabe“, da sich kein neuer Besitzer wirklich aufdränge. Das Lufthansa-Management bevorzuge einen Verkauf der gesamten BMI inklusive Slots. Falls das aber nicht möglich sei, könnten auch Teile der britischen Tochter einzeln unter den Hammer kommen. Es sei unwahrscheinlich, dass es noch dieses Jahr eine Entscheidung gebe, sagte der Insider weiter.

Experten erwarten mehr als nur einen Interessenten. Neben British Airways könnten noch Virgin Atlantic, Aer Lingus oder eine der Airlines aus dem Mittleren Osten als Käufer infrage kommen, sagte Stephen Furlong, Analyst bei Davy Stockbrokers. Alternativ könnte die Kranich-Linie einige ihrer Slots Konzern-intern an die Swiss oder Austrian Airlines verkaufen oder sich vom BMI-Billigflieger-Ableger bmibaby trennen.

BMI ist auf den britischen Markt fokussiert und passt daher nicht in das Streckennetz der Lufthansa. Die deutsche Airline bringt mit ihren Tochter-Gesellschaften aus ganz Europa Passagiere an die Drehkreuze Frankfurt und München, um dort ihre Interkontinental-Maschinen voll zu bekommen. Viele Fluglinien - auch die Lufthansa - verdienen lediglich mit den Langstrecken-Flügen Geld. Das Kurzstrecken-Geschäft ist dagegen meist verlustträchtig.

Zudem hatte Lufthansa BMI verstärkt als Ferienflieger in die Urlaubsländer Nordafrikas ausgerichtet. Dieses Geschäft brach jedoch wegen der Unruhen in der Region ein. Alle bisherigen Sanierungsversuche bei BMI verliefen im Sande. Das Unternehmen entwickelt sich zur Belastung für den ganzen Konzern. BMI hat im ersten Halbjahr bei einem Umsatz von 396 Millionen Euro einen Verlust von 120 Millionen Euro geschrieben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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