Lukrative Biotech-Arzneien
Merck setzt auf Geschäft mit Biotech-Nachahmern

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat eine Vereinbarung mit brasilianische Firmen geschlossen. So will der Konzern sechs Biotech-Nachahmerpräparate für den brasilianischen Markt entwicklen.
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FrankfurtDer Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck setzt im Wachstumsmarkt Brasilien auf das Geschäft mit Nachahmern von lukrativen Biotech-Arzneien. Merck habe im November eine Vereinbarung mit den brasilianischen Firmen Bionovis, Fiocruz und Instituto Vital Brazil zur Produktion von sechs Biotech-Nachahmerarzneien gegen Arthritis und Krebs für den brasilianischen Markt geschlossen, wie ein Konzernsprecher am Montag bestätigte. Die „Financial Times“ hatte zuvor über den Vertrag berichtet. Merck war im Jahr 2012 in das Geschäft mit Kopien biotechnologischer Arzneien eingestiegen. Der Konzern arbeitet dabei mit dem indischen Generika-Konzern Dr. Reddy's Laboratories zusammen, der schon seit längerem in diesem Geschäft aktiv ist.

Bei den Nachahmern für das lateinamerikanische Land handelt es sich nach Angaben des brasilianischen Gesundheitsministeriums um Biogenerika der umsatzstarken Krebsmedikamente Avastin, Rituxan/Mabthera und Herceptin von Roche. Auch ein Nachahmer des Krebspräparats Erbitux der Darmstädter ist dabei. Dazu kommen Kopien der Arthritris-Medikamente Remicade von Johnson & Johnson (J&J) und Merck & Co sowie Enbrel von Amgen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist auch der Bau einer Produktionsfabrik Teil der Vereinbarung. Mit den Originalpräparaten wurden zuletzt weltweit Milliarden umgesetzt. Die Vereinbarung erstreckt sich zunächst über einen Zeitraum von fünf Jahren. In dieser Zeit garantiert die brasilianische Regierung die Abnahme der Medikamente für das brasilianische Gesundheitssystem.

Nachahmer von Biotecharzneien - in der Fachwelt „Biosimilars“ genannt - gelten als neuer großer Markt für die Pharmabranche. Experten gegen davon aus, dass das Geschäft in naher Zukunft kräftig anziehen wird, da in den nächsten Jahren mehr als zehn Biotech-Arzneien mit Jahresumsätzen deutlich jenseits der Milliardenschwelle ihren Patentschutz verlieren. Diese Präparate stehen zusammen für etwa 40 Prozent des gesamten weltweiten Geschäfts mit Biotech-Medikamenten. Die Pharmamarktforscher des Instituts IMS Health erwarten, dass im Zuge dieser Entwicklung der Weltmarkt für Biotech-Nachahmer im Jahr 2020 auf elf bis 25 Milliarden Dollar zunimmt. Er würde dann vier bis zehn Prozent des gesamten weltweiten Umsatzes mit Biotech-Medikamenten ausmachen. Im Jahr 2012 lag der Anteil solcher Präparate den Experten zufolge gerade einmal bei 0,4 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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