Lukrative Gesetzesänderungen
Steuerrecht bringt Firmen Milliardenerträge

Änderungen im Unternehmenssteuergesetz bringen deutschen Kapitalgesellschaften Millionen Euro unerwarteter Erträge ein. Allein der Volkswagen-Konzern wird nach eigenen Angaben in seiner Bilanz 2006 einen außerordentlichen Ertrag von fast einer Mrd. Euro buchen können. Aber auch andere Unternehmen profitieren im dreistelligen Millionenbereich.

fo DÜSSELDORF. Durch neue steuerliche Vorgaben zu noch nicht verbrauchten Guthaben bei der Körperschaftsteuer wird der Energiekonzern Eon nach eigener Aussage einen Buchgewinn von rund 1,2 Mrd. Euro erzielen. Beim Versicherungskonzern Allianz fällte ein Sonderertrag von 500 Mill. Euro an, sagte eine Sprecherin. Bei der Münchener Rück sind es 400 Mill. Euro, bei RWE rund 600 Mill. Euro. Die Deutsche Bank nannte eine Summe von 350 Mill. Euro. Auch der Maschinenbauer Heidelberger Druck hat bereits einen Sonderertrag von etwa 70 Mill. Euro angekündigt.

An ihren Gewinnprognosen änderten die Unternehmen jedoch nichts, wobei die Allianz und RWE ohnehin nur eine Untergrenzen für ihren erwarteten Gewinn im laufenden Jahr nennen. Demnach rechnet die Allianz weiter mit einem Gewinn von mindestens sechs Mrd. Euro und damit mindestens 36 Prozent mehr als 2005. RWE geht von einem Gewinnanstieg von mindestens 40 Prozent im Vergleich zu den 2,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr aus. Die Münchener Rück kalkuliert weiter mit einem Überschuss zwischen 3,2 und 3,4 (2005: 2,7) Mrd. Euro. Demnach werden die drei Großkonzerne 2006 zusammen mindestens 12,3 Mrd. Euro nach 9,3 Mrd. Euro im Jahr 2005.

Mit den am 12. Dezember veröffentlichten Richtlinien wurde die Behandlung von Körperschaftsteuerguthaben geändert, die durch bis Anfang des Jahrzehnts geltende unterschiedliche Besteuerung von einbehaltenen und ausgeschütteten Gewinnen entstanden. Einbehaltene Gewinne wurden höher besteuert als die an Aktionäre ausgeschütteten Gewinne. Wurden Gewinne vorübergehend in die Rücklagen gesteckt, um sie später auszuschütten, entstand auf diese Weise eine Rückzahlungsforderung gegen den Staat.

Die Auszahlung der Guthaben war bislang an die Ausschüttung von Dividenden gekoppelt – dies wurde jetzt aufgehoben. Das Guthaben kann jetzt auf Antrag unverzinslich zwischen 2008 und 2017 in zehn gleichen Jahresbeiträgen ausbezahlt werden. Durch diese Streckung vermeidet der Bund allzu starke Belastungen.

Die Unternehmen gehen davon aus, dass sie diesen Auszahlungsanspruch im Jahresabschluss 2006 zum abgezinsten Barwert bilanzieren müssen. So wird zum Beispiel aus dem Körperschaftsteuerguthaben der Münchener Rück in Höhe von 500 Mill. Euro, das zwischen 2008 und 2017 jeweils mit rund 50 Mill. Euro ausbezahlt wird, ein positiver Ertrag von 400 Mill. Euro im laufenden Jahr.

Europas größter Autobauer VW rechnet aufgrund der neuen Bilanzierung von Steuerguthaben für das laufende Jahr mit einer Gewinnerhöhung von 951 Mill. Euro, sagte eine VW-Sprecherin gestern. „Das hat keine Auswirkungen auf die Gewinnprognose“, erläuterte sie. Der Autobauer hat bislang ein Plus beim operativen Gewinn vor Sondereinflüssen vorausgesagt. 2005 hatte VW hier 3,1 Mrd. Euro verbucht.

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