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01.11.2007 
Lufthansa

Lukrative Langstrecke

von Tanja Kewes

Die Deutsche Lufthansa weitet ihr Angebot an Langstreckenverbindungen aus: Die Planungen der Lufthansa zielen auf die Übernahme der britischen Fluggesellschaft British Midland (BMI), die ihrerseits Start-und Landerechte in London Heathrow hat. Damit reagiert die Lufthansa auf die Liberalisierung des Luftverkehrs – und den Vorstoß eines Kontrahenten.

Die Deutsche Lufthansa plant Langstreckenflüge ab London Heathrow. Foto: apLupe

Die Deutsche Lufthansa plant Langstreckenflüge ab London Heathrow. Foto: ap

DÜSSELDORF. Zwar plant die größte deutsche Fluggesellschaft nach der Liberalisierung des Luftverkehrs zwischen der EU und den USA vorerst keine Nordatlantikflüge aus Städten wie Madrid und Paris, erfuhr das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen. Aber Lufthansa bereitet die Übernahme der britischen Fluggesellschaft British Midland (BMI) vor, die Start- und Landerechte in London-Heathrow hat.

Die Lufthansa hat für 2008 mehrere hundert Mill. Euro für den Kauf weiterer BMI-Anteile als Investition eingeplant. Bisher sind die Deutschen an BMI mit 30 Prozent minus eine Aktie beteiligt. Für den 20-Prozent-Anteil an BMI, den die Fluglinie SAS zum Verkauf anbietet, hat Lufthansa ein Vorkaufsrecht. Und der Mehrheitseigner, der Brite Michael Bischop (50 Prozent plus eine Aktie) könnte Beobachtern zufolge aufgrund des Restrukturierungsbedarfs bei British Midland seine Put-Option ziehen und Lufthansa seine Anteile andienen.

Anfang des Jahres hatten sich die EU und die USA auf das sogenannte Open-Skies-Abkommen geeinigt, das für mehr Wettbewerb bei Transatlantikverbindungen sorgen soll. Lufthansa reagiert mit den Kaufabsichten für BMI darauf, aber auch auf den Vorstoß von Europas Nummer eins. Air France-KLM ist mit der amerikanischen Fluglinie Delta in Hinblick auf Open Skies ein Joint Venture eingegangen, um ab April auch täglich von London-Heathrow gen Westen abzuheben. Ziel ist es, den Umsatz über dem Nordatlantik um 45 Prozent zu steigern. „London-Heathrow ist einer der attraktivsten Flughäfen Europas – vor allem als Gateway für den Transatlantikverkehr. Mit den Start- und Landerechten von BMI hat Lufthansa den Fuß in der Tür und baut ganz nebenbei auch noch eine Gegenposition zu British Airways auf“, sagt Jürgen Ringbeck, Luftfahrtexperte der Strategieberatung Booz Allen Hamilton.

Neben dem Engagement in London baut Lufthansa das Langstreckenangebot auch ab Frankfurt, München und Düsseldorf sowie Zürich (Swiss) aus. Wachstumsmärkte sind dabei Amerika und Asien. Neue Non-Stop-Ziele im Winterflugplan sind Buenos Aires, Orlando und Karatschi/Lahore. Die Langstreckenflotte von 89 Maschinen rüstet die Gesellschaft auf. Die Sitze in der Economy Class erhalten eigene Monitore und die 20 noch verbliebenen Zwei-Klassen-Maschinen eine First Class. Die Investitionen sind gezielt getätigt. Die Langstrecke gilt aufgrund des hohen Anteils an Premiumgästen (Business und First Class) als lukrativ. Ihr Beitrag zum operativen Ergebnis ist überproportional.

Die Langstrecke stärker auszubauen, hat auch den Grund, die Billigflieger auf Abstand zu halten. Denn Ryanair und Easyjet, Europas führende Billigflieger, haben den Kontinent erobert – und zwar längst nicht mehr nur auf touristischen Routen. Easyjet etwa will ab Montag mit einer speziellen Software über Reisebüros um Geschäftskunden buhlen. Und auch im Interkontinentalverkehr schläft die Konkurrenz nicht und zwingt zu Gegenmaßnahmen. Nach Aufnahme der Verbindung Genf-New York durch Qatar Airways etwa kündigte Swiss die Partnerschaft (Codeshare) auf.

Auch die deutsche Nummer zwei holt auf. Mit der Übernahme der LTU hat Air Berlin die Langstrecke ins Visier genommen und bietet ab Mai aus Düsseldorf Non-Stop-Flüge mit Business Class nach Amerika und nach Asien an. Damit eröffnet Air Berlin zumindest kurzfristig in Deutschland einen Preiskampf.

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Amerika – von London starten

Im Transatlantikverkehr ist Lufthansa bisher gemessen an der Kapazität in angebotenen Sitzplatzkilometern nach British Airways die Nummer zwei. Die Festung der Nummer eins, der Flughafen London-Heathrow, droht aber zu fallen. Mit dem zwischen der EU und den USA abgeschlossenen Open-Skies-Abkommen können auch andere europäische Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France-KLM von dem als Gateway für den Nordatlantik geltenden Flughafen abheben. Bisher war London-Heathrow zwei amerikanischen Fluggesellschaften sowie British Airways und British Midland (BMI) vorbehalten.

BMI ist einzig aufgrund dieser Start- und Landerechte als Übernahmekandidat für Lufthansa interessant. Als Mehrheitseigner von BMI und nach Inkrafttreten von Open Skies im Frühjahr 2008 könnte Lufthansa – sofern das Management es will – unter der eigenen Flagge von London etwa nach New York fliegen und so auch der neuen Nordatlantikpartnerschaft von Air France-KLM und Delta Paroli bieten.

Die Atlantikroute ist die größte und aufgrund der vielen Premiumpassagiere eine der einträglichsten Langstrecken der Lufthansa. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres flogen 5,2 Mill. Menschen mit der Lufthansa und der Swiss von Frankfurt, München, Zürich oder Genf zu einem der 21 Ziele – ein Plus von knapp 14 Prozent. Ab April soll es auch Verbindungen ab Düsseldorf geben – eine Reaktion auf das hohe Passagieraufkommen aus Rhein-Ruhr und auf das Langstreckenangebot von Air Berlin. Beide Fluggesellschaften leisten sich am Rhein mit ihren Einführungsangeboten Preisschlachten. Lufthansa bot die ersten Tickets für die Strecke Düsseldorf-New York für 333 Euro an, Air Berlin lädt zum Weihnachtsshopping in den Big Apple für 149 Euro.

Auf den Strecken nach Südamerika ist Lufthansa nicht unter den ersten drei und wird damit der goldenen Regel gerecht: Die Deutsche Lufthansa wächst und expandiert mit der deutschen Wirtschaft. Im Vergleich mit Nordamerika und Asien spielen Südamerika und Afrika noch kaum eine Rolle. Aber immerhin: Buenos Aires wird ab Frankfurt seit dieser Woche wieder nonstop und fünfmal pro Woche angeflogen. Mit 13,5 Stunden ist es der längste Flug, den die Lufthansa durchführt. Die Nummer eins von Europa nach Südamerika ist Iberia. Die Spanier gelten genau auch aus diesem Grund als interessanter Kaufkandidat für die großen drei in Europa, Air France-KLM, Lufthansa und British Airways.

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Afrika – vergessene Zone

Afrika ist auch bei der Lufthansa der vergessene Kontinent. Afrika steht in der internationalen Luftfahrt für eine traurige Bilanz: Der Kontinent hat die wenigsten Flugbewegungen und die meisten Unfälle. Die Lufthansa fuhr die Kapazitäten in den vergangenen Jahren zurück – einzig die Konsolidierung der Swiss glich das wieder aus. Mit dem Verkauf der Condor an Air Berlin müsste Lufthansa zudem weitere touristische Ziele wie Agadir, Sansibar und Hurghada aus dem Streckennetz streichen.

In Afrika setzt Lufthansa vor allem auf Partnerschaften. Mit Ethiopian Airlines bereiten die Deutschen ein bilaterales Abkommen vor und mit Egypt Air teilt sich Lufthansa seit Oktober Linienflüge (Codeshare). Die älteste afrikanische Fluggesellschaft soll der Star Alliance 2008 beitreten. Zu der Luftfahrtallianz gehört bereits South African Airlines (SAA).

Das Verkehrsgebiet Afrika/Naher Osten entwickelt sich jedoch dynamisch. Das Passagieraufkommen von Lufthansa und Swiss stieg in den ersten neun Monaten um über 21 Prozent, und auch die Auslastung legte um 4,6 Prozentpunkte auf 75,7 Prozent zu – jeweils die höchsten Zuwachsraten. Wachstumstreiber ist der Nahe Osten mit stark nachgefragten Strecken wie nach Tel Aviv.

Die Region wartet jedoch nicht mehr auf ihre Erschließung. Sie ist die Heimat von aggressiven Angreifern wie Qatar Airways und Emirates. Letztere hat in Dubai ihr internationales Drehkreuz aus dem Sand gestampft und lenkt bereits Verkehrsströme um. Ein Inder fliegt heute etwa nicht mehr zwangsläufig mit British Airways über London oder mit Lufthansa über Frankfurt nach New York, sondern mit Emirates über Dubai.

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