Lukrativer Großauftrag: Die New Yorker wollen türkische Taxis

Lukrativer Großauftrag
Die New Yorker wollen türkische Taxis

New York sucht das Einheitstaxi - und so mancher Autobauer reibt sich schon die Hände. Doch nun gibt es eine faustdicke Überraschung: Das Riesengeschäft dürfte an einen echten Underdog gehen - aus der Türkei.
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New YorkDie Menschen in Manhattan haben gesprochen. Und im türkischen Bursa jubelt man: Der dort ansässige Automobilhersteller Karsan hat beste Chancen, das nächste New Yorker Taxi zu bauen. "Das wäre ein Meilenstein nicht nur für unsere Firma sondern für die ganze Türkei", sagt Murat Selek, CEO von Karsan.

"Taxi of Tomorrow" - unter diesem Motto suchen New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und die Taxi and Limousine Commission (TLC), die städtische Taxi-Aufsichtsbehörde, bereits seit 2007 ein neues Einheitstaxi für den "Big Apple". Fast vier Jahre später sind drei Bewerber übrig geblieben: der NV200 des japanischen Herstellers Nissan, der Karsan V1 und eine Taxi-Version des ebenfalls in der Türkei produzierten Lieferwagens Transit Connect.

Mit Schaubildern, die Fotos und technische Daten der drei Finalisten zeigen, streiften Mitarbeiter der TLC wochenlang durch New York und befragten Passanten, welcher Entwurf ihnen am besten gefalle. Zwei von drei Befragten entschieden sich für den Karsan V1. Der Nissan-Entwurf fand 44 Prozent Zustimmung, der kastenförmige gefiel nur 38 Prozent. Als das Ergebnis der Befragung jetzt bekannt wurde, schoss die Karsan-Aktie an der Istanbuler Börse um 15 Prozent nach oben. Bekommt Karsan den Zuschlag, könnte das Unternehmen in den kommenden zehn Jahren 26.500 Taxis nach New York liefern.

Neben der Subway, der U-Bahn, und den Linienbussen sind die rund 13.000 knallgelben Taxis das beliebteste Transportmittel in New York. Bis in die 1980er Jahre dominierten die altertümlichen aber geräumigen Checker Cabs das New Yorker Straßenbild. 1999 wurde das letzte Checker Taxi mit der Zulassungsnummer 1N11 mit einer Zeremonie auf dem Times Square feierlich in Pension geschickt. Heute besteht die New Yorker Taxi-Flotte überwiegend aus Straßenkreuzern des Typs Crown Victoria. Der rund 240 PS starke Achtzylinder des 5,40 Meter langen Wagens schluckt im Stadtverkehr auf 100 km über 20 Liter Superbenzin. Selbst in New York, wo mit Energie eher sorglos umgegangen wird, ist das kein akzeptabler Verbrauch mehr. Deshalb die Suche nach einem neuen Taxi.

Der Karsan V1 kommt mit einem Benzinmotor im Heck daher, kann aber auch mit Flüssiggas betrieben werden. Hybrid- und reine Elektrovarianten sind ebenfalls vorgesehen. Das 1966 gegründete Unternehmen Karsan, das nun vor dem Sprung über den Großen Teich steht, produzierte anfangs Traktoren. Von 1979 bis 1998 gehörte Karsan zur Koc-Gruppe, der größten türkischen Industrie Holding. Dann wurde die Firma von der Kiraca Holding übernommen. Neben Traktoren produziert die Firma im westanatolischen Bursa, dem „türkischen Detroit“, leichte Nutzfahrzeuge für PSA Peugeot-Citroen sowie Lastwagen der Marken Renault und Hyundai. Die türkische Automobilindustrie ist inzwischen der größte Exporteur des Landes. Mit dem Entwurf des V1 unterstreichen die türkischen Autobauer einmal mehr, dass sie nicht nur in Lizenz montieren können sondern auch Entwicklungskompetenz haben.

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