Lungenkrebs
Medikament von Merck verlängert Leben

Im ersten Anlauf wurde das Lungenkrebs-Medikament von Merck abgelehnt. Im zweiten Anlauf soll es nun klappen. Denn je nach Tumorprofil kann das Präparat lebensverlängernd wirken.
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FrankfurtMerck macht Fortschritte bei der Erforschung seines Medikaments Erbitux zur Behandlung von Lungenkrebs. Einer neuen Studienanalyse zufolge kann das Krebspräparat bei Patienten, deren Tumor ein bestimmtes Genprofil aufweist, lebensverlängernd wirken, teilten Forscher auf einem Medizinerkongress der Internationalen Vereinigung für das Studium von Lungenkrebs (IASLC) am Montag in Amsterdam mit. Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern hatte im März bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA einen neuen Anlauf für die Zulassung des Mittels bei dieser schwer zu behandelnden Krebsart genommen. An der Börse kamen die Ergebnisse gut an: Die im Dax notierte Merck-Aktie gewann ein Prozent auf 76,10 Euro.

Die vorgestellten Studienresultate basieren auf einer Analyse von Daten einer großen Phase-III-Studie des Konzerns mit dem Namen „Flex“. Dabei fanden die Forscher heraus, dass mit einer Chemotherapie behandelte Patienten, bei deren Lungentumor ein Rezeptor (EGFR) besonders ausgeprägt ist, von einer zusätzlichen Behandlung mit Erbitux profitierten. Den Daten zufolge lebten die auch noch mit Erbitux behandelten Patienten im Mittel zwölf Monate. Bei Patienten, die nur die Chemotherapie erhielten, waren es nur 9,6 Monate. Der Unterschied sei statistisch signifikant, hieß es in der Studie.

„Wir haben einen großen Schritt gemacht hin zu einer mehr personalisierten Behandlung für diese schwer zu therapierende Krankheit“, erklärte Studienleiter Robert Pirker von der Medizinischen Universität Wien. Bei Patienten, in deren Tumor der EGFR-Rezeptor nicht stark ausgeprägt war, wirkte eine zusätzliche Behandlung mit Erbitux nicht lebensverlängernd. In der aktuellen Studie testete Merck nun, ob der EGFR-Rezeptor bei den Patienten ausgeprägt war. Merck ist im schnell wachsenden Geschäft mit personalisierter Medizin bereits aktiv und arbeitet mit Deutschland größtem Biotechunternehmen Qiagen zusammen.

Die EMA hatte vor zwei Jahren die Zulassung von Erbitux zur Behandlung von Lungenkrebs abgelehnt - zunächst im Juli und nach der Anfechtung von Merck ein zweites Mal im November 2009. Die Behörde hatte damals erklärt, Patienten würden bei der Einnahme von Erbitux zusätzlich zu einer Chemotherapie vermutlich nur wenig länger leben. Merck hat daraufhin die Studiendaten mit Hilfe einer Biomarkeranalyse neu ausgewertet, um die Untergruppe von Patienten zu bestimmen, bei denen die Behandlung am besten wirkt. Etwa 31 Prozent der Patienten in der Studie wiesen diese Rezeptor-Ausprägung auf.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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