Luxusautobauer
Jaguar Landrover bekommt frisches Geld

Der durch die Weltwirtschaftskrise schwer angeschlagene britische Autobauer Jaguar Land Rover ist bei der Sicherung seiner langfristigen Finanzierung einen entscheidenden Schritt vorangekommen. In den vergangenen Monaten musste sich der verlustreiche Konzern auf die Suche nach frischem Kapital machen. Jetzt sicherte sich das Unternehmen, das seit 2008 zum indischen Firmenimperium Tata gehört, einen langfristigen Finanzierungsdeal mit GE der Tochter des US-Mischkonzerns GE.
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LONDON. Die Amerikaner stellen Jaguar Landrover eine Kreditlinie von 250 Mio. Pfund (knapp 280 Mio. Euro) über fünf Jahre zur Verfügung. Mit den Mitteln soll die Zeit zwischen der Herstellung der Wagen und dem Verkauf an die Händler überbrückt werden, erläutert Sean Neville von GE CDF. Dadurch könne Tata früher auf das in der Produktion gebundene Kapital zurückgreifen.

Neue Form der Finanzierung

"Wir sind froh, dass unsere Finanzierungspläne weitere Fortschritte machen, und freuen uns über das Vertrauen, dass uns GE entgegenbringt", sagt Ken Gregor, Finanzvorstand von Jaguar Landrover. Die Finanzierungsvereinbarung soll am Montag in London offiziell verkündet werden. In der Autoindustrie sei diese Form der Produktionsfinanzierung bislang einmalig, erläutert Neville. GE verhandle aber bereits mit anderen großen Autobauern, die wegen der weltweiten Wirtschaftskrise ebenfalls Probleme hätten, ihre Produktion zu finanzieren. "Oft ist es für die Hersteller in dieser Phase des Konjunkturzyklusses noch schwieriger Kredite zu bekommen, als zu Beginn der Krise", so Neville.

Mitte 2008 hatte sich der kriselnde US-Autobauer Ford von seinen beiden britischen Luxusmarken getrennt. Die Geländewagenikone Land Rover und der Luxuslimousinenbauer Jaguar gingen für 2,3 Mrd. Euro an Tata Motors. Doch die neuen Töchter bereiteten Tata schnell Probleme, weil im Zuge der Wirtschaftskrise die Nachfrage nach Luxusautos noch schneller einbrach, als nach Klein- und Mittelklassewagen. Für das Ende März 2009 beendete Geschäftsjahr hat Tata Motors einen bereinigten Nettoverlust von knapp 370 Mio. Euro gemeldet und dafür vor allem auf das schlechte Abschneiden der Töchter verantwortlich gemacht.

Wenig Nachfrage nach Luxusautos

Bei Land Rover war der Absatz um 40 Prozent eingebrochen. Jaguar erging es, gestützt von neuen Modellen, etwas besser, hier fielen die Verkaufszahlen nur um vier Prozent.

Jaguar Land Rover beschäftigt rund 14 500 Mitarbeiter an bislang drei Standorten in Großbritannien. Seit der Übernahme hat Tata rund 1,2 Mrd. Pfund in die zwei Hersteller investiert, um die laufenden Verluste abzudecken. Um mit der Krise fertig zu werden, strich der neue Eigentümer unter anderem rund 2 500 Jobs.

Im Sommer hatten die Inder die Berater von KPMG und Roland Berger engagiert, um ein Sanierungskonzept zu entwickeln. Im September kündigte Tata schließlich an, dass bis Mitte des nächsten Jahrzehnts einer der Standorte in den Midlands geschlossen werde. Ursprünglich hatte Tata Motors die Hilfe der britischen Regierung gesucht, um Staatsbürgschaften für ein umfangreiches Kreditpaket zubekommen. Doch seither haben die Inder ohne fremde Hilfe Fortschritte bei der Sicherung der Finanzierung für ihre neuen Autotöchter gemacht. Neben den Krediten von GE Capitals sicherte sich der Konzern ein Darlehen von 175 Mio.Pfund der State Bank of India. Dazu kommen weitere Kreditzusagen kommerzieller Banken von rund 500 Mio. Pfund.

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