Luxusbranche
Das glänzende Geschäft mit dem, was niemand braucht

Erstmals profitiert die gesamte Branche: Bis 2020 könnte sich das Geschäft mit teuren Autos, feinen Kleidern und Sterne-Küche verdoppeln. Deutsche Firmen sind bei Autos und Yachten führend. Aber es gibt eine Gefahr.
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DüsseldorfLuxus aus Deutschland - lange waren das fast ausschließlich Autos. L'art de vivre, "bella cucina", Haute Couture kamen aus dem Ausland. Doch bei Lebensart, guter Küche und Mode holen die heimischen Hersteller auf. Bis 2020 könnte sich die Wertschöpfung der Luxusbranche verdoppeln, meinen die Experten von Roland Berger. "Die deutschen Konsumenten haben den Luxus nachhaltig für sich entdeckt und werden ihre Ausgaben auch in den nächsten Jahren deutlich erhöhen", sagt Philip Beil, Berater bei Roland Berger.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung, die den Luxussektor in Deutschland in seiner Gesamtheit erstmals erfasst und dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, erzielte die Branche 2011 eine Gesamtwertschöpfung von 49 Milliarden Euro. 19 Milliarden Euro davon entfielen auf den inländischen Konsum deutscher und ausländischer Marken.

Deutsche Unternehmen wie Porsche, Hugo Boss, Faber Castell und Bechstein (Klaviere) exportierten darüber hinaus im Wert von 30 Milliarden Euro. Insgesamt beschäftigt die Branche 140 000 Mitarbeiter in Industrie und Handel. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze hängen direkt von der Luxusbranche ab. "Deutschland ist in Segmenten wie Autos oder Motor-Superyachten Weltmarktführer - diese Reputation hilft dem Prädikat 'Made in Germany' und damit auch allen anderen Bereichen der deutschen Luxusindustrie", sagt Beil.

Doch auch die neuen Zahlen zeigen: Die deutsche Branche ist klein im Verhältnis zu den Leitbranchen der deutschen Wirtschaft wie dem Automobilbau (351 Milliarden Euro Umsatz, 719 000 Beschäftigte) und der chemischen Industrie (171 Milliarden Euro Umsatz, 415 000 Beschäftigte). Dennoch will sie als quantitative und qualitative Größe wahrgenommen werden.

Vorbilder gibt es im Ausland: In Frankreich, Schweiz oder Italien ist die Bedeutung der Luxusbranche mit ihren zahlreichen und börsennotierten Konglomeraten wie LVMH, PPR oder Richemont und weltbekannten Marken wie Prada, Gucci und Rolex für die Volkswirtschaften groß und anerkannt. Im vergangenen Mai gründete sich deshalb in Analogie zu den Vereinigungen in Italien (Altagamma), Frankreich (Comité Colbert), England (Walpole Committee) und Spanien (Circulo Fortuno) der deutsche Branchenverband Meisterkreis. Hier haben sich 50 nationale und internationale Marken zusammengeschlossen. Geschäftsführer ist Clemens Pflanz, ein freier Berater mit langjähriger Managementerfahrung in der Luxusindustrie. In Europa sind alle fünf Vereinigungen in der European Culture and Creative Alliance (ECCIA) zusammengefasst.

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