Luxuskonzern kommt aus der Krise – Johann Rupert beschränkt sich auf den Verwaltungsrat
Montblanc-Chef geht zu Richemont

Der Genfer Luxusgüter-Konzern Richemont hat einen neuen Chef: Der bisherige Montblanc-Chef Norbert Platt löst den Südafrikaner Johann Rupert an der Spitze des Konzerns ab. Platt übernimmt zu einem guten Zeitpunkt: Nach der Krise der vergangenen Jahre, steigen Umsatz und Gewinn wieder.

GENF. Rupert, dessen Familie zehn Prozent der Aktien gehören, der aber gleichzeitig mehr als die Hälfte der Stimmrechte kontrolliert, hatte vor einem Jahr die Sanierung von Richemont eingeleitet. Nach alarmierenden Meldungen aus Genf hatte er sich in die Schweiz begeben, den damaligen Richemont-Chef Alain Dominique Perriner entmachtet und dem zweitgrößten Luxuskonzern der Welt eine Rosskur verordnet. Gestern meldete er auf der Generalversammlung Vollzug – und verband die positiven Zahlen mit der Nachricht, sich nach dem Management-Wechsel wieder mehr seinem Weingut in Südafrika zu widmen. Rupert bleibt Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats.

Die Richemont-Geschäfte liefen besser und besser, sagte Rupert. Der Umsatz konnte in den Monaten April bis August um 15 Prozent, zu konstanten Wechselkursen sogar um 17 Prozent gesteigert werden. Das Umsatzwachstum werde die Ertragslage deutlich verbessern, sagte der scheidende Konzernchef, ohne absolute Zahlen zu nennen. Richemont setze künftig vor allem auf China, wo die Zahl der Filialen und Verkaufsflächen bis 2006 auf 400 steigen soll.

Die Genfer legten deutlicher zu als Analysten es erwartet hatten. Beobachter waren durchschnittlich von einem Wachstum zu konstanten Wechselkursen von 12,5 Prozent ausgegangen. Für Überraschung sorgte die Personalentscheidung: Der 57jährige Platt habe Montblanc zwar erfolgreich geleitet, „aber es ist schon erstaunlich, dass der neue Vorstandschef nicht aus dem Uhren- oder Schmuckbereich kommt“, sagt Scilla Huang Sun, Fondsmanagerin bei der Clariden Bank in Zürich.

Rupert hatte das Glück, dass ihm die anziehende Konjunktur seine Arbeit als Sanierer erleichterte. Der operative Gewinn des Luxusriesen war im Geschäftsjahr 2002/03, das bei Richemont am 31. März endet, um 46 Prozent eingebrochen. Das Haus legendärer Marken wie Cartier oder Dunhill hatte seinen Glanz verloren. Ruperts Rosskur bestand darin, Fabriken und konzerneigene Shops zu schließen, Arbeiter und Manager zu entlassen und die Zentrale abzuspecken. „Wir waren arrogant; manchmal braucht es seine Zeit, bis man die Zeichen versteht“, räumte Rupert vor Monaten selbstkritisch ein.

Dabei hatte es an Warnsignalen nicht gefehlt. Als erstes hatten die Neureichen der New Economy kein Kleingeld mehr für Richemont-Accessoires wie zum Beispiel die Edel-Uhr „Portugieser“ von IWC mit Minutenrepetition. Kostenpunkt: knapp 45 000 Euro. Dann geriet mit dem 11. September die Weltwirtschaft aus den Fugen.

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