Machtkampf beim Autozulieferer
ZF-Aufsichtsratschef Behr tritt zurück

Eskalation im Machtkampf beim Automobilzulieferer ZF: Aufsichtsratschef Giorgio Behr tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Grund ist ein Streit mit der Stadt Friedrichshafen, die über eine Stiftung 93 Prozent an ZF hält.
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StuttgartDer Machtkampf bei ZF Friedrichshafen eskaliert: Aufsichtsratschef Giorgio Behr tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Die Mitarbeiter wurden am späten Mittwochnachmittag informiert. „Ich möchte einer Verjüngung des Aufsichtsrates nicht im Wege stehen sowie anderen möglichen Veränderungen“, lässt sich Behr zitieren. Der Schweizer Unternehmer führte das Gremium zehn Jahre lang und begleitete den Aufstieg des Stiftungs-Konzerns. Offensichtlich möchte Behr keinen Strategiewechsel mittragen.

Vorstandschef Stefan Sommer verliert mit Behr seinen Schutzschild. „Mögliche Veränderungen“ könnten zudem auf einen Abgang Sommers hindeuten. Seine Zukunft bei ZF steht auf der Kippe. Er ist seit 2012 ZF-Vorstandschef.

Im Handelsblatt hatte Behr vor zwei Wochen noch seinen Rückzug mit Ablauf seiner Amtszeit Ende März 2018 angekündigt. „Wir sind heute in der Lage zuzukaufen und könnten uns auch wieder etwas Größeres leisten – sowohl finanziell als auch bei der Integrationskraft“, sagte Behr damals.

Hintergrund für das schnellere Ausscheiden sind jetzt offensichtlich Bestrebungen des Eigentümers, noch massiver ins Geschäft einzugreifen. Die von der Stadt Friedrichshafen beherrschte Zeppelin-Stiftung besitzt 93 Prozent der Anteile. Oberbürgermeister Andreas Brand sitzt als Vertreter der Stiftung im Aufsichtsrat. Die Stiftung hatte kürzlich eine massive Erhöhung der Ausschüttung auf 18 Prozent des Ergebnisses nach Steuern von umgerechnet 50 auf 160 Millionen Euro durchgesetzt. Stiftungsunternehmen wie Bosch oder Mahle begnügen sich mit einer Ausschüttungsquote zwischen fünf und sechs Prozent. Die Stiftung will mit dem Geld einen Kapitalstock von einer Milliarde Euro aufbauen, um unabhängiger vom Konzern zu werden.

Darüber hinaus gibt es massive Auseinandersetzungen zwischen dem eher risikoscheuen Eigentümer und der Unternehmensführung. In den vergangenen Monaten verhinderte der Oberbürgermeister wohl maßgeblich die Übernahme des Bremsenherstellers Wabco. ZF blieb es damit verwehrt, eine wichtige strategische Lücke im Portfolio zu schließen. Dem Eigentümer war offensichtlich das Risiko einer Wabco-Übernahme für rund sechs Milliarden Euro zu hoch.

Vor drei Jahren hatte die Stiftung die Großübernahme von TRW für gut 10 Milliarden Euro noch mitgetragen. ZF ist dadurch mit einem Umsatz von fast 40 Milliarden Euro auf Augenhöhe mit den Branchenführern Bosch und Continental gekommen. Insbesondere bei den Zukunftsthemen Elektroauto und Autonomes Fahren ergänzte der Getriebe- und Fahrwerksspezialist sein Portfolio. Durch niedrige Zinsen und hohen Cashflow hatte ZF die Schulden durch die Übernahme bereits deutlich reduziert. Der Stiftung war aber der erneute Expansions-Schritt zu früh und zu groß.

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