Machtkampf mit Conti
Schröder könnte Schaeffler stoppen

Wenige Tage vor der für die Zukunft von Continental-Chef Karl-Thomas Neumann entscheidenden Aufsichtsratssitzung deutet sich erneut eine mögliche Wende im Machtkampf zwischen Conti und Großaktionär Schaeffler an.

ax/ink/mcs/rob/saf HAMBURG/BERLIN. Das Familienunternehmen will am Mittwoch Neumann auswechseln. Doch sein Abgang könnte sich durch das Eingreifen des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) erheblich verzögern, erfuhr das Handelsblatt aus dessen Umfeld.

Als Garant der Investorenvereinbarung zwischen Conti und seinem Großaktionär könnte Schröder darauf hinwirken, die Abstimmung fallen zu lassen - oder aber Schaeffler kurzfristig gerichtlich stoppen lassen. In dem Vertragswerk hatte sich Schaeffler unter anderem verpflichtet, nicht an einer vorzeitigen Abberufung von Conti-Vorständen mitzuwirken. Renommierte Juristen sehen das als Hebel für eine einstweilige Verfügung, um die Ablösung Neumanns zu stoppen. Auf Dauer würde das Contis Vorstandschef, dem das Vertrauen seines Großaktionärs fehlt, kaum retten - aber er könnte die von ihm als notwendig erachtete Kapitalerhöhung bei Conti noch umsetzen. Schröder geht es um ein sauberes rechtliches Vorgehen, heißt es.

Conti und Schaeffler drücken insgesamt Schulden von gut 22 Mrd. Euro. Schaeffler wirft Neumann vor, öffentlich Druck für eine ungeliebte Kapitalerhöhung gemacht zu haben. Das Familienunternehmen befürchtet eine Verwässerung seiner Conti-Anteile und hatte vergangenen Donnerstag versucht, eine einvernehmliche Auflösung von Neumanns Vertrag zu erreichen. Contis Chefaufseher Rolf Koerfer hatte aber übersehen, dass dazu zunächst eine Zweidrittelmehrheit im Kontrollgremium erforderlich ist.

Schröders Wirken könnte zudem die Wackelkandidaten auf der Kapitalseite, die gegen Neumann gestimmt haben, aber Koerfers Vorgehen ablehnen, zum Umdenken bringen.

Ein von Schröder eingeschalteter renommierter Anwalt soll noch vor der entscheidenden Sitzung des Conti-Aufsichtsrats am Mittwoch seine Prüfung abschließen, erfuhr das Handelsblatt aus dem Schröder-Umfeld. Sollte der Anwalt zu dem Ergebnis kommen, dass Großaktionär Schaeffler mit dem versuchten Sturz von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann gegen die Investorenvereinbarung verstößt, könnte Schröder kurzfristig eine einstweilige Verfügung gegen Neumanns Abwahl erwirken, etwa vor dem Landgericht Hannover.

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