Machtkampf
Porsches VW-Optionen locken neue Bieter an

Der unübersichtliche Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen ruft neue Bieter auf den Plan. Für einen Einstieg bei der Porsche SE und Optionen auf weitere zwanzig Prozent der VW-Aktien soll es fünf weitere Interessenten geben. Verhandlungen über einen Einstieg führt der in Finanzierungsnöte geratene Porsche-Konzern aber weiterhin nur mit Katar.

STUTTGART/HAMBURG. Laut Handelsblatt-Informationen verhandelt Porsche exklusiv mit Katar über einen Einstieg, hat aber fünf weitere Interessenten für das Optionspaket an VW. Der Einstieg eines Investors soll Porsche helfen, die Milliardenschulden abzubauen, die der Konzern durch den Kauf der Mehrheit an VW angehäuft hat.

Auch für eine direkte Beteiligung an Porsche scheint es weitere Interessenten zu geben: Die derzeit üblichen Hoffnungsträger aus China und Russland sowie Hedge-Fonds sind im Gespräch. Beide Gruppen dürften aber selbst bei einem ernsthaften Interesse kaum Aussicht auf Erfolg haben. So fürchtet die VW-Führung, allen voran Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, einen Ausverkauf von automobilem Know-how, wenn etwa die Chinesen Zugriff auf Technologie des VW-Konzerns erhielten. Chinesen und Russen gelten in Wolfsburg, aber auch in der Staatskanzlei des VW-Großaktionärs Niedersachsen in Hannover als industrielle Konkurrenten – anders als der Interessent Katar.

Die Auseinandersetzung um die Zukunft des neuen Automobilkonzerns Porsche-VW ist inzwischen vollkommen festgefahren. Keine der beiden Seiten schafft es, eine Mehrheit von 75 Prozent der Stimmrechte auf seine Seite zu ziehen. „Es gab vergangene Woche Gespräche in der Familie“, bestätigte ein Porsche-Sprecher dem Handelsblatt. Zu den besprochenen Details wollte er sich nicht äußern.

Zwei Varianten, um die Finanzprobleme des mit neun Mrd. Euro verschuldeten Sportwagenbauers zu lösen, stehen aber zur Entscheidung. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Mentor Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche möchten Katar als Investor an der Porsche SE beteiligen und Optionen auf weitere gut 20 Prozent der VW-Aktien an die Katarer verkaufen. Gegenspieler Ferdinand Piëch, Aufsichtsratschef bei Volkswagen und Miteigentümer von Porsche, lehnt die Beteiligung der Araber ab und verfolgt damit zwei Ziele: Er will Wiedeking, der sich bei der Übernahme von VW verhoben hat, stürzen und die Attacke auf Volkswagen umkehren, indem VW Teile von Porsche übernimmt. Die gebotenen drei bis vier Mrd. Euro für einen Anteil von 49 Prozent an der Porsche AG hält Wiedeking aber nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ für zwei Mrd. Euro zu niedrig.

Mit dem Konflikt vertraute Kreise weisen darauf hin, dass eine Übernahme von Porsche durch VW nicht einfach ist. Es gibt viele Einspruchsmöglichkeiten anderer Aktionäre, und die Finanzierung einer solchen Übernahme mitten in der Autokrise sei selbst für VW – trotz anders lautender Einschätzungen aus Wolfsburg – nicht einfach. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat zudem immer darauf hingewiesen, dass Porsche VW brauche, nicht aber VW Porsche. Es sei schwer zu rechtfertigen, dass der VW-Konzern, der mit Audi, Lamborghini und Bugatti das exklusive Segment schon komplett abdeckt, auch noch Geld für Porsche ausgeben soll. „Dass VW Porsche übernimmt, ist nur auf dem Papier die einfachere Lösung“, heißt es in Finanzkreisen. Wolfsburg, allen voran Ministerpräsident Christian Wulff als Vertreter des zweiten VW-Großaktionärs Niedersachsen, drängt auf eine Entscheidung bis Mitte des Monats.

Die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch wollen sich bei der Entscheidung über die Zukunft ihres Unternehmens aber nicht noch mehr unter Druck setzen lassen. Und offenbar können sie sich länger Zeit lassen als gedacht: In diesem Jahr wird Porsche Finanzkreisen zufolge noch nicht in Liquiditätsnöte geraten. „Das ist noch kein brennendes Thema“, hieß es.

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