Machtkampf
Schaeffler wollte für Neumann-Rücktritt zahlen

Conti-Chef Karl-Thomas Neumann hält sich weiter im Amt. Die Gläubigerbanken weiß er hinter sich – und seine Fürsprecher werden mehr. Selbst als Schaeffler anbot, seine Abfindung aus eigener Tasche zu bezahlen, blieb Neumann stoisch. Im Machtkampf zwischen Conti und Schaeffler bleiben weiterhin viele Fragezeichen.

HB HANNOVER. Continental-Chef Karl-Thomas Neumann schien den Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler schon verloren zu haben. Allem Anschein nach soll er bei einer Aufsichtsratssitzung am 12. August vom Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt werden. Doch es gibt viele Fragezeichen.

Zunächst einmal gilt Degenhart vielen Beteiligten als nicht geeignet. Er hat keine Erfahrung im Führen eines Großkonzerns. Außerdem haben die Gläubigerbanken von Schaeffler ein Wort mitzureden. Sie waren von den Vorgängen am Donnerstag nach Handelsblatt-Informationen nicht informiert.

Außerdem hat Neuman viele Fürsprecher. Allen voran sind die Gläubigerbanken auf seiner Seite. Darüber hinaus hat sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler hinter Neumann gestellt: "Die Landesregierung ist davon überzeugt, dass Karl-Thomas Neumann und die von ihm vorgelegten Konzepte am besten geeignet sind, die Zukunft der Conti-Schaeffler-Gruppe und deren Beschäftigten langfristig zu sichern. Wichtig ist, Klarheit über den weiteren Weg zu schaffen. Es darf keine weitere Hängepartie und keinen personellen Aderlass geben. Die Landesregierung setzt weiter auf Einvernehmen zwischen den Banken, der Familie Schaeffler, der Gewerkschaften IG Metall und IG BCE und der Politik. Dafür setzen wir uns trotz aller Schwierigkeiten und Konfrontationen nachhaltig ein. Am Ende sollte ein weltweit erfolgreiches, integriertes, börsennotiertes Unternehmen stehen."

Auch die IG Metall hat den dramatischen Machtkampf um Continental und die geplante Ablösung des Conti-Chefs Karl-Thomas Neumann heftig kritisiert. "Es ist ein grober Fehler, dass die Familie Schaeffler und die Kapitalseite versuchen, Herrn Neumann als Vorstandsvorsitzenden abzusetzen", sagte IG Metall-Bezirkschef Hartmut Meine am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover. "Neumann ist einer der besten Automobilmanager in Deutschland. Die Arbeitnehmervertreter haben vollstes Vertrauen zu Neumann."

Dementsprechend verweigerten sie ihre Zustimmung zu einer Vertragsauflösung, auch als Schaeffler, wie das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrats erfuhrt, daraufhin anbot, die Abfindung aus eigener Tasche zu bezahlen. Neumann sollte "freiwillig" zurücktreten, was dieser von sich wies. Doch ist ein solches Angebot nicht nur moralisch schwierig, sondern Experten zufolge auch rechtlich problematisch, siehe den Fall des damaligen Mannesmann-Chefs Klaus Esser bei der Übernahme durch Vodafone.

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