Machtkampf
Tag der Entscheidung für Conti-Chef Neumann

Schaeffler-Manager Elmar Degenhart soll auf der heutigen Aufsichtsratssitzung den bisherigen Conti-Chef Karl-Thomas Neumann ablösen und so den Machtkampf der Unternehmen beenden. Gläubiger und Aktionärsschützer optimistisch, das der Friedensschluss gelingt. Doch Überraschungen sind immer noch möglich.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Die Finanzmärkte haben den erwarteten Friedensschluss im Machtkampf zwischen Schaeffler und Continental bereits vor der heutigen Aufsichtsratssitzung in Hannover gefeiert. Der Kurs der Conti-Aktie sprang gestern zeitweise um acht Prozent auf 25 Euro. Doch auch wenn der große Knall heute ausbleibt und der Friedensschluss gelingt: Verhandlungskreise sehen noch viele Stolpersteine. "Überraschungen sind immer möglich", hieß es.

Auf der heutigen Aufsichtsratssitzung will Schaeffler im zweiten Anlauf Conti-Chef Karl-Thomas Neumann ablösen und durch den eigenen Manager Elmar Degenhart ersetzen. Offenbar hat der Herzogenauracher Großaktionär den Vorstoß diesmal besser vorbereitet als bei der letzten Sitzung im Juli, bei der es zum Eklat kam: "Diesmal klappt es", hieß es gestern in Industriekreisen.

Im Juli war Schaeffler noch am Widerstand der Arbeitnehmer gescheitert. Nun sollen beim zweiten Anlauf im Gegenzug für die Wahl des Schaeffler-Managers Degenhart zum Vorstandschef weitere Conti-Leute in den Vorstand aufrücken, um das Gleichgewicht zwischen den Unternehmen zu wahren. Zudem soll der umstrittene Schaeffler-Vertraute Rolf Koerfer in den nächsten Monaten den Conti-Aufsichtsratsvorsitz abgeben. Zwar wurde gestern in Verhandlungskreisen betont, es gebe für einen Rücktritt Koerfers noch keinen festen Termin. Dennoch gilt ein Rückzug des Anwaltes möglicherweise schon zur Aufsichtsratssitzung am 29. September auf beiden Seiten weiterhin als Teil des Deals. "Da geht es nur noch um die Übergangszeit", hieß es. Voraussichtlich werde Koerfer aber als Mitglied im Aufsichtsrat bleiben.

Die Gläubigerbanken der beiden hochverschuldeten Unternehmen begrüßten die Entspannung. "Manchmal hat so ein Gewitter ja auch etwas Reinigendes", hieß es in Finanzkreisen. Es sei notwendig gewesen, dass beide Seiten aufeinander zugehen.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wertete die Einigung als Fortschritt. "Wenn dadurch Frieden einkehrt, damit Continental sich wieder aufs Kerngeschäft konzentrieren kann, dann tragen wir diese Lösung mit", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Allerdings müsse die Machtfülle der Schaefflers bei Conti begrenzt werden. Der neue Aufsichtsratschef müsse für alle Aktionäre sprechen, nicht nur für den Großaktionär aus Herzogenaurach.

Auch wenn die Grundzüge des neuen Personal-Tableaus stehen, ist der Machtkampf noch längst nicht entschieden. Ein wichtiges Thema bleibt dabei die von Conti dringend benötigte Kapitalerhöhung. Der Conti-Aufsichtsrat hatte Ende Juli zwar mit den Stimmen der Schaefflers beschlossen, eine Kapitalerhöhung zu prüfen. In Herzogenaurach gibt es aber weiterhin Widerstand gegen den Schritt, der die Beteiligung des Unternehmens an Conti verwässern würde.

Im Zuge des Kompromisses hat Schaeffler nun nach Informationen des Handelsblatts zugesagt, die Kapitalerhöhung nicht zu blockieren. Dies sei auch gegenüber Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) versichert worden, der Garant der Investorenvereinbarung zwischen Schaeffler und Conti ist.

Das bedeutet nach Angaben aus dem Umfeld der Unternehmen aber noch längst nicht, dass es wirklich in absehbarer Zeit zur Kapitalerhöhung kommt. Dies hänge auch davon ab, wie schnell ein neuer Finanzvorstand für Conti gefunden werde und welche Börsenerfahrung dieser habe.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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