Machtwechsel
Ein Herz für Escada

Der Tchibo-Eigner Michael Herz ist beim angeschlagenen Modekonzern Escada eingestiegen. Er bringt den früheren Chef des Konkurrenten Boss, Bruno Sälzer, als neuen Vorstandschef mit - nicht die einzige Personalie, die sich mit der neuen Eigentümerstruktur in Management und Aufsichtsrat ändern wird. Zudem drängt der neue starke Mann auf eine Kapitalerhöhung.

DÜSSELDORF. Wie das Handelsblatt aus dem Umfeld des Investors erfuhr, hat sich Herz in den vergangenen Wochen über mehrere Gesellschaften aus Streubesitz über die Börse Anteile von insgesamt rund zwölf Prozent an dem SDax-Konzern gesichert. Mit dem bisher größten Einzelaktionär, dem Russen Rustam Aksenenko, ist Herz darüber hinaus übereingekommen, auf der Aufsichtsratssitzung am Dienstag eine Kapitalerhöhung in Höhe von zehn Prozent des Grundkapitals zu beschließen. Die daraus resultierenden rund 30 Mill. Euro sollen in die Restrukturierung fließen. Sprecher der Beteiligten wollten sich nicht äußern.

Die neue Eigentümerstruktur wird sich auch im Management und im Aufsichtsrat von Escada niederschlagen. Bereits am 1. Juli soll Ex-Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer den Vorstandsvorsitz übernehmen. Sälzer soll sich auch schon am Konzern mit eigenem Kapital beteiligt haben.

Der amtierende Escada-Chef Jean-Marc Loubier wird den Konzern voraussichtlich verlassen. Die von ihm im Falle eines Kontrollwechsels vereinbarte Abfindung in Höhe von 2,7 Mill. Euro wird wohl nicht fällig, da Herz vorerst unter 30 Prozent bleiben will und die sogenannte "Change of control"-Klausel nicht greift.

Ihren Posten räumen soll ebenfalls Beate Rapp. Ihren Verantwortungsbereich für Produktion und Logistik im Vorstand soll Werner Lackas übernehmen. Lackas hatte Hugo Boss im Frühjahr wie Sälzer nach Unstimmigkeiten mit dem neuen Mehrheitseigner Permira verlassen.

Den seit einiger Zeit vakanten Posten im Aufsichtsrat von Escada soll der Wirtschaftsjurist und Unternehmensberater Reinhard Pöllath übernehmen. Einen weiteren Sitz im Kontrollgremium will Herz selbst besetzen.

Mit Sälzer und Pöllath holt sich Herz zwei enge Vertraute bei Escada an seine Seite, mit denen er bereits seit Jahren im Aufsichtsrat von Maxingvest, der Tchibo-Holding, zusammenarbeitet. Michael Herz ist der Sohn von Max und Ingeburg Herz, den Gründern des Kaffeeröster-Konzerns.

Der einst größte deutsche börsennotierte Modekonzern Escada steckt seit Jahren in der Krise und ist ein Sanierungsfall. Zweimal schon stand die Firma vor dem Abgrund. Das erste Mal rissen Beteiligungen das Unternehmen in die Miesen; das zweite Mal die Krise der Luxusindustrie infolge der Terroranschläge des Jahres 2001 und der SARS-Seuche in Asien.

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