Mängel wurden vertuscht
Rückruf-Skandal bei Mitsubishi schlägt Wellen

Der japanische Autohersteller holt 280 000 Autos in die Werkstätten zurück.

hz/Dow Jones/Reuters TOKIO. Ein vier Jahre zurückliegender Rückrufskandal hat den krisengeschüttelten japanischen Autobauer und Daim- ler-Partner Mitsubishi Motors (MMC) wieder eingeholt: Der viertgrößte japanische Autobauer räumte ein, damals weitere Fahrzeugmängel vertuscht zu haben, um neue Rückrufe zu verhindern. Neben den gemeldeten vier Fahrzeug- Defekten seien noch zusätzliche 26 Mängel innerhalb der gesamten Modellpalette vor der japanischen Verkehrssicherheitsbehörde verschleiert worden.

Der angeschlagene Autobauer ruft nun weitere rund 280 000 Autos in die Werkstätten zurück. Betroffen seien 17 Modelle der Baujahre zwischen 1992 und 1997. Die Börse reagierte geschockt: Die Aktie des Autobauers, an dem Daim- ler-Chrysler beteiligt ist, rutschte zeitweise um mehr als 12 % auf ein Allzeittief ab und war nur noch 187 Yen wert.

Der neue Skandal trifft das Unternehmen in einer Zeit, in der es mit einer anstehenden Kapitalerhöhung um sein Überleben kämpft. Nach Ansicht von Experten droht das neuerliche Desaster den Restrukturierungsplan für MMC wieder in Frage zu stellen. Mitsubishi starte nun nicht mal mehr bei null, sondern sogar darunter, sagte Shinji Kitayama, Analyst bei Shinko Securities.

Nach Ansicht von Auto-Experte Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim belegt die jüngste Entwicklung, dass Daimler-Chryslers Absage an MMC richtig war. Die Stuttgarter hatten den Japanern überraschend Ende April den Geldhahn zugedreht und entschieden, MMC keine Finanzspritze zu gewähren. Die japanischen Großaktionäre der Mitsubishi-Gruppe sowie der japanische Investmentfonds Phoenix wollen MMC nun wieder flott machen. Die jüngsten Enthüllungen dürften das lädierte Image des Herstellers jedoch weiter beschädigen. Phoenix denkt nach eigenen Angaben bereits über einen Namenswechsel bei MMC nach.

Mitsubishi Motors rechnet damit, dass der neue Skandal in den nächsten Monaten zu einem Rückgang des Absatzes führen wird, der das Unternehmen 20 Mrd. Yen (knapp 150 Mill. Euro) Gewinn kosten könnte. Die Reparaturkosten bezifferte der neue MMC-Chef Yoichiro Okazaki auf umgerechnet knapp 20 Mill. Euro.

Vor vier Jahren hatte MMC zugegeben, Kundenbeschwerden über Qualitätsmängel unter den Teppich gekehrt zu haben. Weltweit mussten damals zwei Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten. Noch heute leidet MMC auf seinem Heimatmarkt an den negativen Folgen für das Image des Unternehmens. Vorwürfe, die damals noch zu MMC gehörende heutige Daimler-LKW-Tochter Fuso habe ebenfalls jahrelang einen notwendigen Rückruf verzögert, beschädigten den Ruf jetzt erneut. Vor diesem Hintergrund stufte die Kreditbewertungsagentur Japan Credit Rating (JCR) die Bonität langfristiger Schulden von Mitsubishi Motors bereits herab.

Auch im operativen Geschäft steht MMC weiter unter Druck. Der Absatzeinbruch auf den wichtigsten Märkten hält an. Die US-Tochter der Japaner setzte im Mai 20,5 % weniger Autos ab als im Vorjahresmonat. Auf Sicht der ersten fünf Monate ergibt sich ein Rückgang von 23 %. Die Nachfrage auf dem Heimatmarkt Japan fiel sogar um 56 % im Mai, nach einem Minus von 19 % im April. „Mir ist bewusst, dass unser Absatz im Juni, Juli und darüber hinaus wahrscheinlich leiden wird“, sagte der MMC-Chef.

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