Auf den neuen Märklin-Chef Axel Dietz wartet bei seinem ersten großen Auftritt eine unangenehme Überraschung. Ausgerechnet zu Beginn der Spielwarenmesse in Nürnberg steht das Werk in der Stadt still. Aus Protest gegen die geplante Schließung legt die Belegschaft ihre Arbeit nieder. Ob das nützt, ist fraglich, denn ein Finanzinvestor hat bei Märklin das Sagen.
Protest gegen Werksschließung: Märklin-Mitarbeiter streiken
iw/hof DÜSSELDORF. „Nürnberg ist seit Jahren in den schwarzen Zahlen und der profitabelste Standort von Märklin überhaupt“, sagt der Betriebsratschef Bernd Sickinger. „Diese Belegschaft hat nicht verdient, dass man sie einfach entsorgt.“ Die Mitarbeiter wollen deshalb am Donnerstag Flugblätter verteilen, um die Messebesucher über ihr Schicksal zu informieren.
Märklin stellt in Nürnberg seine Zweitmarke Trix her. Dort sind 63 Mitarbeiter beschäftigt, 30 davon in der Produktion. Diese Produktion will Märklin schließen. Mehrere vom Handelsblatt befragte Spielwarenhändler halten dies für falsch. Dass Märklin trotz guter Geschäftszahlen ausgerechnet in Deutschlands Spielehauptstadt abbaut, setze für die Branche das falsche Signal.
Der Märklin-Finanzchef Jan Kantowsky sagte dem Handelsblatt, es sei falsch, die einzelnen Standorte gegeneinander aufzurechnen. Es gehe um die Straffung des gesamten Produktionsprozesses. Vier Werke seien einfach zu viel. Märklin produziert in Göppingen, Nürnberg, Sonneberg (Thüringen) und Györ (Ungarn). Die Produktion in Sonneberg und Nürnberg soll 2007 enden.
Laut Märklins Controlling ist der Gesamtumsatz zwischen 2003 und 2005 um 23 Prozent auf 123 Mill. Euro gesunken. In Nürnberg legte er um 23 Prozent auf 11,8 Mill. Euro zu. Das Betriebsergebnis lag 2006 bei 1 Mill. Euro. Seit 2003 hat Trix mehr als 3 Mill. Euro an die Zentrale in Göppingen überwiesen. Die Eigenkapitalrendite in Nürnberg lag 2005 bei 17 Prozent. Kantowsky sagte, diese Zahlen seien irreführend.
Finanzinvestor ist eingestiegen
Die Belegschaft will um ihre Arbeitsplätze kämpfen. Eine Schließung des Standortes würde nach Handelsblatt-Schätzungen rund 1,5 Mill. Euro kosten. Die Trix-Mitarbeiter verdienen durchschnittlich 2 000 Euro brutto pro Monat.
Der britische Finanzinvestor Kingsbridge Capital hatte Märklin im vergangenen Mai übernommen. Damals stand das hoch verschuldete Unternehmen kurz vor dem Aus. Weil die 22 Alteigentümer hoffnungslos zerstritten waren, zogen sich die Verkaufsgespräche über Monate hin. Die neuen Besitzer haben ein umfangreiches Umbauprogramm auf die Beine gestellt. Jede fünfte der 1 400 Stellen wird gestrichen. Gleichzeitig werden Investitionen und Ausgaben für die Entwicklung um die Hälfte auf 15 Mill. Euro erhöht.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Viele bekannte Konkurrenten sind pleite.
„Mein Ziel ist es, der Marke ihren alten Glanz wiederzugeben“, kündigte der neue Unternehmenschef Dietz gegenüber dem Handelsblatt an. Er hat viel Erfahrung mit Markenprodukten. Vor seinem Engagement bei Märklin arbeitete der gebürtige Ludwigshafener für Markenartikel-Anbieter wie Philip Morris, Tchibo und Wella.
Die beiden Marken des Göppinger Unternehmens sollen künftig klar voneinander abgegrenzt werden. „Märklin und Trix werden unterschiedliche Rollen spielen“, sagte Dietz. So wie der Sportkonzern Adidas seine Neuerwerbung Reebok anders positioniere als seine Stamm-Marke, werde auch Trix ein anderes Gesicht als Märklin bekommen.
Die Zweitmarke hätte durchaus Potenzial, denn sie unterscheidet sich fundamental von Märklin: Die Trix-Loks laufen mit Gleichstrom, Märklin fährt auf Wechselstrom. Wie die Positionierung künftig genau aussehen wird, wollte Dietz nicht sagen.
Märklin ist der bekannteste und größte Modellbahnhersteller. Der Konkurrenz ging es in den vergangenen Jahren ebenso dreckig wie den Schwaben. Der österreichische Konkurrent Roco stürzte vor zwei Jahren ab und musste Konkurs anmelden. Im Herbst ging auch der Gartenbahn-Hersteller LGB pleite. Wie Märklin auch hat LGB inzwischen einen neuen Eigentümer gefunden.
Vergleichsweise gut steht dagegen Fleischmann da. „Zum Glück haben uns die vergangenen zwei bis drei Jahre nicht so stark mitgenommen wie Märklin und LGB“, sagte Mitinhaber und Geschäftsführer Rolf Fleischmann Anfang der Woche in einem Interview.