Märkte sind enttäuscht Mittal knausert bei Übernahme in China

Arcelor-Mittal rüstet sich für einen Zukauf in China: Der weltweite Branchenprimus kündigte an, sämtliche Anteile an der China Oriental Group zu übernehmen. Die Märkte zeigten sich enttäuscht von der Offerte für den Stahlproduzenten.
Konzernchef Lakshmi Mittal geht in China ungewohnt zögerlich vor. Foto: ap

Konzernchef Lakshmi Mittal geht in China ungewohnt zögerlich vor. Foto: ap

DÜSSELDORF. Wie beide Unternehmen mitteilten, bietet Arcelor-Mittal für die vollständige Übernahme von China Oriental insgesamt mindestens 1,7 Mrd. Dollar (knapp 1,2 Mrd. Euro) oder mindestens 6,12 Hongkong-Dollar je Aktie – und damit den exakt gleichen Preis wie vor einem Monat. Anfang November war der Stahlriese mit 28 Prozent bei dem deutlich kleineren Konkurrenten eingestiegen.

Im Erfolgsfalle wären die Luxemburger der erste ausländische Konzern, dem eine Übernahme in der streng staatlich kontrollierten Stahlbranche Chinas glückt. Außerdem würde Arcelor-Mittal seine bisher schwache Position auf dem größten Stahlmarkt der Welt stärken. Peking betrachtet die Stahlhersteller ebenso wie etwa die Ölkonzerne des Landes als strategische Branche und schirmt sie deshalb vor zu starkem ausländischem Einfluss ab. Grundsätzlich können Ausländer in China keine Mehrheiten an Stahlproduzenten übernehmen.

China Oriental produziert an zwei Standorten auf dem chinesischen Festland 3,8 Mill. Tonnen Stahl jährlich, Arcelor-Mittal mit 118 Mill. Tonen Stahl die 30-fache Menge. Das chinesische Unternehmen wird nach Schätzungen von Analysten in diesem Jahr mit 4 500 Beschäftigten einen Umsatz von 1,8 Mrd. Dollar und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von mehr als 300 Mill. Dollar erzielen. China Oriental produziert unter anderem Stahlträger sowie kaltgewalzte und verzinkte Bleche.

Einige Analysten äußerten sich enttäuscht über das Angebot, da es keine Kontrollprämie enthalte, wie sie in solchen Fällen üblich ist. Andere verwiesen darauf, dass Konzernchef Lakshmi Mittal möglicherweise gar keine vollständige Übernahme plane. Der Konzern hat bereits angekündigt, die Börsennotiz von China Oriental nach dem Ende der Annahmefrist für das Übernahmeangebot nicht einzustellen.

Allerdings bewegt sich Arcelor-Mittal mit der Offerte in Höhe von knapp dem Sechsfachen des Ebitda über dem Bewertungsniveau von westlichen Stahlherstellern. Der Luxemburger Konzern selbst zum Beispiel wird derzeit mit gut dem Fünffachen, die deutschen Stahlkonzerne Thyssen und Salzgitter mit weniger als dem Vierfachen ihres Ebitda bewertet.

Im November hat Arcelor-Mittal für 28 Prozent von China Oriental 647 Mill. Dollar bezahlt. Verkäufer des Aktienpakets war die chinesische Stahlprinzessin Chen Ningning. Diese hatte zuvor vergeblich versucht, Großaktionär, Chairman und CEO Han Jingyuan aus seiner Firma herauszudrängen. Medienberichten zufolge hatte Han im November seine Bereitschaft signalisiert, mit seinem 45,1-Prozent-Anteil Arcelor-Mittal zu unterstützen und später Aktien abzugeben. Damit verfügen die Partner de facto über eine Kontrollmehrheit (acting in concert). Deshalb musste der Stahlriese ein Übernahmeangebot an alle außenstehenden Aktionäre vorlegen.

Begünstigt wird Arcelor-Mittal bei China Oriental durch den Umstand, dass das 1999 gegründete und 2001 privatisierte Stahlunternehmen eines der wenigen des Landes ist, an denen der chinesische Staat keine Anteile hält. Der Firmensitz ist auf den Bermudas, die Aktien sind an der Börse in Hongkong notiert. Peking gesteht Hongkong als Sonderwirtschaftszone größere Freiheiten zu.

„Mit dem Zukauf festigt Arcelor-Mittal seine Vormachtstellung als bisher einziger Global Player in der Branche“, sagte Alexander Malkwitz von A.T. Kearney. Da der Kauf eines führenden Stahlkonzerns ausscheide, sei die Übernahme eines Unternehmens aus der zweiten Reihe strategisch sinnvoll. Bei der bevorstehenden Konsolidierung innerhalb der stark zersplitterten chinesischen Stahlindustrie könnten in den nächsten Jahren weitere Expansionsschritte folgen, so der Branchenexperte.

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