Magazin-Bericht
Merckle-Gruppe ist offenbar gerettet

Das könnte die Rettung sein: Die Mehrzahl der Gläubigerbanken der finanziell angeschlagenen Merckle-Gruppe hat sich laut einem Zeitungsbericht auf ein Sanierungskonzept geeinigt. Doch es bleiben aber noch Fragen offen.

shf/HB FRANKFURT. Zwar fehle noch die Zustimmung einzelner Institute. Man gehe aber davon aus, dass der geplante Sanierungskredit in den nächsten Tagen unterzeichnet werde, heißt es in Bankenkreisen. Der Sanierungskredit soll eine bereits im Januar vereinbarte Brückenfinanzierung ablösen und bis 2011 durch den Verkauf von Unternehmen weitgehend getilgt werden. Bereits im Januar musste sich Merckle zum Verkauf der Pharmafirma Ratiopharm verpflichten. Ferner soll sich die Gruppe auf Druck der Banken von ihren Anteilen an Heidelberg Cement und voraussichtlich auch vom Pharmahändler Phoenix trennen. Formale Verkaufsprozesse werden voraussichtlich erst im zweiten Halbjahr anlaufen.

"Die Leitplanken des Konzepts stehen", sagte auch eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Es fehlten aber noch Unterschriften einiger der rund 60 Gläubigerbanken. Im Kern ist den Kreisen zufolge vereinbart worden, dass die Schuldenlast der Gruppe von mehr als acht Mrd. Euro - ohne die mehrheitlich ebenfalls zum Merckle-Imperium gehörende Heidelberg-Cement - auf eine "handhabbare Größe" abgebaut werden soll. Diese liege bei Merckle "irgendwo zwischen zwei und deutlich unter sechs Mrd. Euro", sagte ein Insider Reuters. Zudem habe sich die Merckle-Familie mit den Banken auf eine Umwandlung des Überbrückungskredits von rund 400 Mio. Euro in einen längerfristigen Finanzierungsrahmen geeinigt. Die Wirtschaftsprüfer der KPMG hätten für alle drei Teile der Merckle-Gruppe die Sanierungsfähigkeit bestätigt, hieß es in den Kreisen.

Für den Verkauf von Ratiopharm sollen in wenigen Tagen die Banken beauftragt werden. Der Verkauf selbst dürfte sich aber bis ins nächste Jahr hinziehen. Der Hersteller von Nachahmermedikamenten könnte Finanzkreisen zufolge bis zu 3,8 Mrd. Euro einbringen. Vom tatsächlichen Erlös hängt ab, ob sich die Familie um Adolf Merckles ältesten Sohn Ludwig danach auch von der Mannheimer Phoenix trennen muss. An dieser hat bereits der britische Rivale Alliance Boots Interesse angemeldet, der dem Finanzinvestor KKR gehört. Banken positionierten sich bereits, um ein Mandat für den Verkauf zu erhalten, hieß es in Finanzkreisen. Die etwas größere Celesio ist an der Börse 2,8 Mrd. Euro wert.

Eine Sprecherin der Merckle-Familie wollte sich zu Details des Konzepts nicht äußern. "Es ist bekannt, dass Ratiopharm zum Verkauf angeboten werden soll. Ansonsten haben wir immer gesagt, dass wir alle Optionen prüfen", fügte sie hinzu.

An der selbst mit rund zwölf Mrd. Euro verschuldeten Heidelberg-Cement hält Merckle über zwei Beteiligungsfirmen rund 80 Prozent. Das Paket oder auch nur ein Teil davon dürfte laut Finanzkreisen auf kürzere Sicht kaum loszuschlagen sein. Denn Heidelberg-Cement ist selbst auf der Suche nach weiteren Eigenkapitalgebern.

Die Nummer vier weltweit bei Zement ist zunächst aber dabei, bis Ende Juni neun Mrd. Euro an Krediten zu refinanzieren. Sonst droht die Verletzung von Kreditauflagen. Kreisen zufolge schließt das Unternehmen dazu als letztes Mittel auch nicht aus, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen. "Wir würden alle Optionen prüfen", sagte eine Sprecherin. Die HeidelbergCement-Aktie gab fünf Prozent nach.

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